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Henry Purcell

The Fairy Queen

Les Arts Florissants, William Christie

harmonia mundi HMC 901308.09
(129 Min., 7/1989) 2 CDs

Natürlich gehört zu einer ordentlichen Oper ein Libretto. Und vielleicht sogar auch eine Handlung. Was aber tun, wenn die Musik mit Orchester und Sängern nur noch aus der zweiten Reihe das phantasievoll kommentieren darf, was auf der Sprechbühne passiert? Henry Purcell hatte dafür eine Lösung parat, die ganz seinen bühnenwirksamen Instinkt widerspiegelt. Er schickte seine Feen, Zauberer, Bauern und einen betrunkenen Dichter einfach in seinen eigenen Garten, dessen Zaun zwar kaum mehr freie Sicht auf Shakespeares zugrunde liegenden “Sommernachtstraum” gewährt. Dafür blühen jetzt Arien zwischen Idyll und Clownerie auf, gibt es derb aufmüpfige Chöre und pastoral anmutige Lullabies. Kein Wunder, dass Purcell mit dieser, seiner vorletzten Semi-Opera “The Fairy Queen” schon zu Lebzeiten ein Kassenschlager gelungen war. Fast drei Jahrhunderte nach der Uraufführung 1692 zog William Christie nun mit seinen Les Arts Florissants und einem All-Star-Solisten-Chor (u. a. Jean-Paul Fouchécourt, Véronique Gens) ins Studio ein. Und ließ diese Partitur mit ihren zahllos wundersamen Momenten und aufreizenden Einfällen glühen, lachen, träumen, beben, marschieren - und vor allem atmen. Schon damals war Christie der “erzählerischste” Dirigent unter den Originalklang-Experten, der er bis heute geblieben ist. In dieser “Fairy Queen” ist von Virtuosität als Selbstzweck, von modischer Konturenschärfe oder gar von herausgepresster Komik nichts zu hören. Stattdessen verwandelt Christie die Rhythmus-Salven zu Luftschlangen, besitzen die Balletteinlagen vitalen Drive. Und wie er Eleganz farbenreich und organisch zwischen Licht und Intimität, zwischen Süße und Grazie ausbalanciert, kommt dem wahren Leben in der Feenwelt ganz nahe. Auch wenn man auf den etwas verwirrenden Handlungswegen in diesem Zaubergarten mittlerweile ein wenig die Orientierung verloren hat.

Guido Fischer, 01.12.1999



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