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N° 1282
03. - 09.12.2022

nächste Aktualisierung
am 10.12.2022



Johann Sebastian Bach

Kantate "Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit" (Actus tragicus) BWV 106

Barbara Schlick, Kai Wessel, Guy de Mey, Klaus Mertens, Amsterdam Baroque Orchestra, Ton Koopman

4509-98536-2
(1994) 3 CDs, DDD


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Johann Sebastian Bach

Kantate "Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit" (Actus tragicus) BWV 106

Eva Csapò, Hanna Schwarz, Adalbert Kraus, Wolfgang Schöne, Gächinger Kantorei Stuttgart, Junges Stuttgarter Bach Ensemble, Helmuth Rilling

Hänssler/Naxos 98 980
(1975) ADD


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Der in einer postumen Partiturkopie so genannte "Actus tragicus" aus Bachs Organistenzeit im thüringischen Mühlhausen ist ein Kleinod unter den zweihundert überlieferten Kantaten - ein frühes Meisterwerk. Seine Besonderheit: die Bibeltexte, die vom bedrückenden Gedanken des Sterbenmüssens zu Trost und Lobpreisung Gottes aufsteigen, werden denkbar eindrücklich noch im alten Motettenstil vertont, also im steten Wechsel von Solo- und Chorgesang bei fließenden Übergängen, häufigen Tempo- und Ausdrucksvariationen. Vermutlich schrieb Bach das Werk für einen Trauergottesdienst; entsprechend zart, kammermusikalisch koloriert ist die Besetzung mit Blockflöten, Gambe und Continuo-Orgel.
Keiner trifft den verinnerlichten Ton so wie Ton Koopman. Das an der "authentischen Klangrede" geschulte An- und Abschwellen - das "Atmen" - der Instrumente, die makellose Stimmkultur seines Chors und die angenehme Zurückhaltung der Solisten zeugen von einer höchst einfühlsamen Bach-Exegese. Ihr kritischer Punkt ist allerdings dort erreicht, wo sich die stimmschwache Barbara Schlick und der arg tremolierende Guy de Mey mitunter der Verzärtelung nähern. Demgegenüber muten die bekannten süddeutschen Produktionen der sechziger Jahre wie Hausmannskost an: Bei Wolfgang Gönnenwein (EMI) und Karl Richter (Archiv) schleppt sich trotz namhafter Solisten und einer durchgängig spürbaren Ernsthaftigkeit, Text wie Noten nachdrücklich einen religiös fundierten Ausdruck zu verleihen, zu vieles mühsam dahin, vor allem bei Richter und seinem indiskutabel intonierenden Bach-Chor.
Helmuth Rilling trifft den beseelten Gehalt dieser Trauerkantate mit einer Bach-Sicht, die zwischen "authentischem" und modernen Blickwinkel wohl austariert ist: schlank im Ton, mit vorzüglichen Solisten, ruhigen, aber nicht verschleppten Zeitmaßen und einer emotionale Ansprache ohne falsche Sentimentalität.

Christoph Braun




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