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Johannes Brahms

Klavierkonzerte Nr. 1 und Nr. 2

Rudolf Buchbinder, Concertgebouw-Orchester Amsterdam, Nikolaus Harnoncourt

Teldec/Warner Classics 8573-80212-2
(97 Min., 12/1998, 10/1999) 2 CDs, live

Hier kommt eine wunderschöne Liveaufnahme, die uns überrascht, wo wir uns der trägen Gewissheit hingeben, jede Wendung in unseren Lieblingsaufnahmen schon einmal gehört zu haben. Buchbinder und Harnoncourt zeigen die beiden Brahms-Konzerte als überaus weite Landschaften voll harter Kontraste. Wie wild, wie entfesselt Buchbinder aus dem Finale des d-Moll-Konzerts fast Beethovens polternden Grimm - ohne dessen Freude - heraushört, wie er sich ins herrliche Choralthema im ersten Satz versenkt, die sachten Triolenwellen am Expositionsende im ppp verebben lässt - das bezeugt eine grandiose Ausdrucksweite.
Ein Beispiel für eine geradezu geniale agogische Pointe des österreichischen „Dream-Teams“ ist der Beginn des Finales aus dem B-Dur-Konzert. Das fangen sie fast blass an, tändelnd, als ziere sich Buchbinder - „So spielt das dieser Koloss?“, fragt man sich irritiert - und dann, zum dritten Mal kommt das zarte Thema, ziehen sie mit gespielter Wildheit an, um sich dann mit fast parodistischer Prallheit dem ungarischen Feuer dieses Finales hinzugeben.
Solche zauberhaften, doch nie effektklaubenden Momente lassen uns alle paar Takte aufhorchen. Und so innig, warm und zart spielen Buchbinder und Harnoncourt den hinreißenden Moment im ersten Satz des breit ausgesungenen zweiten Konzerts, wenn das Hornmotiv wiederkommt, umsponnen vom Klavier, dass ich gar an Emil Gilels denken muss. Da ist mir jetzt ein sehr großes Lob herausgerutscht.

Matthias Kornemann, 16.03.2000



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