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Béla Bartók

Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta

Chicago Symphony Orchestra, Fritz Reiner

RCA/BMG 09026 61504 2
(1955) ADD

Allzu oft geschieht es nicht, daß man reinen Gewissens eine einzige Einspielung eines bestimmten Werks als die Referenzaufnahme schlechthin empfehlen kann. Bei Béla Bartóks "Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta" aber ist das der Fall. Neben der Aufnahme Fritz Reiners mit dem Chikagoer Sinfonieorchester, dessen Chefdirigent er von 1953 an bis zu seinem Tod zehn Jahre später gewesen ist, kann meiner Ansicht nach keine andere Einspielung wirklich bestehen.
Wie George Szell, der ebenfalls aus Ungarn stammte, war Fritz Reiner ein Präzisionsfanatiker. Seine Schlagtechnik muß einzigartig gewesen sein - angeblich konnte er mit dem Handgelenk einen Vierertakt schlagen und gleichzeitig mit dem Ellbogen desselben Arms den Musikern einen Dreiertakt vorgeben. Doch trachtete Reiner niemals nach Perfektion um der Perfektion willen. Sie war für ihn die unumgängliche Voraussetzung jeder musikalischen Interpretation. So auch bei seiner Aufnahme von Bartóks "Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta". Erst wenn jede punktierte Sechzehntel mit solcher Akkuratesse, jeder Wechsel zwischen den beiden Streichergruppen im rhythmisch heiklen Zusammenspiel mit solcher Brillanz und Genauigkeit erfolgen, beginnt diese Musik von innen heraus zu pulsieren.
Bartók hat sein Werk im Auftrag des Schweizer Dirigenten und Mäzens Paul Sacher geschrieben. Es ist eine Partitur reich an emotionalen Gegensätzen. Ihr innerer Zusammenhalt wird durch ein Thema gewährleistet, aus dem die streng gebaute Fuge des ersten Satzes besteht. Höhepunkt ist das Adagio, eine von Bartóks Nachtmusiken, wie sie in seinem Werk immer wieder vorkommen. Die düstere Stimmung dieses Satzes, durch Pauken-Glissandi und die Kombination aus Celesta, Harfe und Klavier noch zusätzlich in ein geheimnisvolles Licht getaucht, weicht erst im Finale einer lichten Stimmung. Volksliedhafte Elemente klingen an, ein bunter Bilderreigen zieht vorüber. Und wenn Fritz Reiner mit seinem Chikagoer Orchester am Werk ist, dann hat man als Zuhörer wahrhaftig den Eindruck, einem Fest beizuwohnen, bei dem es hoch hergeht.

Peter Blaha, 01.12.1999



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