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N° 1259
25.06. - 01.07.2022

nächste Aktualisierung
am 02.07.2022



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Wolfgang Amadeus Mozart

Die letzten Konzerte. Klavierkonzert B-Dur KV 595, Klarinettenkonzert A-Dur KV 622

Andreas Staier, Lorenzo Coppola, Freiburger Barockorchester, Gottfried von der Goltz

harmonia mundi HMC 901980
(59 Min., 5/2007) 1 CD

Traditionalisten werden diese wenigen, zudem vibratolos spielenden Violinen als mageres Dürrobst abtun. Doch wer Mozarts eigenhändige Vortragsdifferenzierung akzeptiert und sich ihre Realisierung durch das FBO anhört, der kann nicht umhin, hier von einer Mozartsternstunde der historischen Aufführungspraxis zu sprechen. Die Unterscheidung, wonach beim "Tutti" sämtliche Streicher, beim "Solo" nur ein Streichquartett das Klavier begleitet, verleiht Mozarts letztem Klavierkonzert in der FBO-Version eine zusätzliche kammermusikalisch-intime Note. Der silbrig-helle Klang von Andreas Staiers Pianoforte unterstreicht dies ebenso wie dessen Stellung im Gesamtgefüge: Lässt schon der ganz auf Schwerelosigkeit angelegte Solopart kaum Platz für technisch oder emotional aufwühlendes Virtuosentum (daran ändert auch nichts Staiers wohl dosierte, stilsichere Verzierungskunst), so ist hier unter Gottfried von der Goltz‘ Vorgaben eine ganz und gar dialogische Beziehung verwirklicht. Nicht nur, weil Staier einfühlsam die Orchestertutti "begleitet" und der filigrane Klang seines zeitgenössischen Instruments sich bestens in den durchsichtigen, warm timbrierten Klang des FBO integriert; hier ist auch die Rollenverteilung von Haupt- und Nebenstimmen weit "offener" als in herkömmlichen Aufführungen. Solche Meriten finden sich auch im Klarinettenkonzert, in dem das Soloinstrument zwar weitaus virtuosere Aufgaben zu erfüllen hat als jenes Klavier; Lorenzo Coppola aber stellt seine in allen Lagen scheinbar mühelos perlenden Klarinettenkünste nie selbstgefällig oder grell ins Rampenlicht. Schließlich straft (nicht nur) sein Adagio all jene Lügen, die meinen, die "Historisten" verhetzten alles: Derart viel Legatoatem und ruhige Phrasierungskunst erlebt man selten. So dass diese "späte", gleichsam heitere wie tief melancholische Kunst Mozarts ihre beglückend-heilsame Wirkung wie selbstverständlich entfalten kann.

Christoph Braun, 25.01.2008



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Eva Jagun stammt aus einer Kölner Musikerfamilie und lernte zunächst Geige, Flöte, Gitarre und Klavier. Ihre ersten Erfahrungen sammelte sie in diversen Chören und Bands, später studierte sie in Hamburg Musik, seit einigen Jahren lebt sie in Berlin. Dort arbeitet sie als Sängerin wie auch als Geigerin im Studio und auf der Bühne mit einer Vielzahl von Künstlern zusammen, unter anderen mit Nina Hagen oder Dieter Hallervorden. Wichtige Impulse erhielt sie vom kanadischen Jazzbassisten […] mehr


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