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N° 1220
25.09. - 01.10.2021

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am 02.10.2021



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Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven, Robert Schumann, Erik Satie u.a.

The Art Of Xylos

Alex Jacobowitz

Arte Nova/BMG 74321 91300 2
(68 Min., 2/2001, 3/2001) 1 CD

"The Art of Xylos" ist "Die Kunst des Holzes", denn genau das bedeutet das altgriechische Wort, aber so wie's dasteht, liest es sich wie der Name eines weiteren antiken Halbgotts, der Seit' an Seit' mit Orpheus die Musik pflegte. Und das ist gar keine so falsche Assoziation. Denn wie der mythische Sänger Tiere, Bäume und sogar Steine zu Tränen rührte, so könnte der US-israelische Xylofonist Jacobowitz zumindest die Zweifel der Puristen erweichen, ob denn auf einem dermaßen hölzernen Schlaginstrument Dinge spielbar wären wie Bachs Chaconne, Schumanns "Träumerei" oder der Kopfsatz der "Mondscheinsonate".
Das Instrument, eines der ältesten der Welt, hat wie das Klavier schwarze und weiße Tasten, nur dass sie alle braun sind und ein bisschen klobig. Sie werden mit je zwei Schlägeln in jeder Hand gespielt, was dann aber klingt, ist der Luftraum darunter: mal raunend, mal keck, mal wabernd, mal auch dröhnend-bestimmt. Ein Instrument, in dem viele Instrumente stecken, sofern man es beherrscht.
Jacobowitz ist ein Virtuose - noch dazu einer, der zwar die Sache, sich selbst aber nicht ganz ernst nimmt. Humor besitzt er zum Verschenken, wie seine Schlagzeuger-Skizze "Tschaik 4" im Beiheft zeigt, obendrein ist er tiefgläubig, auch das artikuliert er dort. Zwischen diesen beiden Polen, Irreverenz und Religiosität, spielt sich ein bisweilen erstaunlich einsichtsvolles Gestalten ab. Mussorgskys "Altes Schloss" wird unaufdringlich zum Singen gebracht (beziehungsweise der Troubadour, der davor sein Ständchen gibt), Bach mit weichklingender, ansonsten glasklarer Polyfonie klangvariiert, bei Beethoven finden sich Anschlagskunst und Legato, wie man's auf Holz nicht für möglich gehalten hätte.
Auch wer Jacobowitz' Wurzeln singen hören will, kommt nicht zu kurz - "Firn di Mechatonim Aheim" ist typisch chromatischer Klezmer, wie aus archaisch-mystischer Zeit herüberwehend. Gut aufgenommen wurde die CD ebenfalls, das Fünf-Oktaven-Instrument steht auf breiter und doch natürlicher Klangbühne.
Wenn Sie Glück haben, treffen Sie Alex Jacobowitz vielleicht mal in einer Fußgängerzone an. Sommers nämlich sucht er den direkten Kontakt zum Publikum, statt sich im Studio wegzuschließen. Das bleibt reserviert für den Winter.

Thomas Rübenacker, 21.03.2002



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