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Hector Berlioz

Fausts Verdammnis

Anne Sofie von Otter, Keith Lewis, Bryn Terfel u.a., Philharmonia Orchestra, Philharmonia Chorus, Myung-Whun Chung

Deutsche Grammophon 453 500-2
(123 Min., 4/1995, 5/1995, 6/1996) 2 CDs

Es ist eine Schande, daß Bryn Terfel kein Tenor ist. Die gehen einfach in höherer Stückzahl über die Theke als Baritone. Folglich baut man beim Terfel-Label um diese Ausnahmestimme (die ja zudem auch cleverer zu gestalten weiß als manch hochtönender Kollege) Produktionen, in denen dessen samtige Stimme ausreichend zur Geltung kommt - hier also Berlioz’ dramatische Legende “Fausts Verdammnis”. Der Méphistophélès ist in dieser dramatischen Legende eine überaus dankbare Bariton-Partie, die Terfel voller falscher Freundlichkeit und hinterlistiger Süße aussingt: ein Gemütsterfel, äh, -teufel, mit dem man gerne einen heben gehen möchte in Auerbachs Keller.
Rund um die Glanzstimme wird aber kräftig gespart. Myung-Whun Chung und das Philharmonia-Orchester nehmen der Partitur entweder alle Leichtigkeit, wie etwa im fußkranken “Tanz der Sylphen”, oder aber sie vergröbern rücksichtslos, wie im überaus ländlichen “Chor der Bauern”. Anne Sofie von Otter ist als Marguerite eine wenn nicht Spar-, so doch Fehlbesetzung, deren flackerndes Vibrato und haltloses Piano der Figur allen jugendlichen Charme rauben. Das macht aber überhaupt nichts, denn der Faust von Keith Lewis muß nehmen, was er kriegen kann (Spitzentöne zählen übrigens nicht dazu). Man wundert sich nur, warum Méphistophélès sich mit einem solchen Jammerlappen persönlich abgibt.

Stefan Heßbrüggen, 30.04.1998



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