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Hector Berlioz

Harold en Italie, Ballettmusik aus "Les Troyens"

Tabea Zimmermann, London Symphony Orchestra, Colin Davis

LSO/Note 1 0040
(52 Min., 2/2003, 12/2000) 1 CD

Harte Zeiten für Kulturschaffende in unseren Tagen? Mitnichten! Man lese nur die Memoiren von Hector Berlioz: Seine Sinfonie für Viola und Orchester "Harold en Italie" wurde durch einen Kompositionsauftrag Niccoló Paganinis angeregt, der zwecks Vorführung einer neu erworbenen Stradivari-Bratsche ein Stück benötigte. Als Berlioz ihm die Partitur zeigte, zählte Paganini die Pausentakte der Solopartie und lehnte entrüstet ab ("Ich muss die ganze Zeit spielen!"). Das Unternehmen scheiterte. Daraufhin arbeitete Berlioz das übrigens durch sein Byron-Studium während des Rom-Aufenthaltes inspirierte Stück um und ließ es auf eigene Faust im Pariser Konservatorium aufführen. Der zweite Satz musste auf Grund des großen Beifalls wiederholt werden, aber die Harfe patzte; der Dirigent ließ daraufhin kurzerhand auf Zuruf gleich den Schlussakkord spielen. Eine Pariser Musikzeitschrift brachte im Nachgang der Uraufführung einen üblen Schmähartikel gegen Berlioz, und ein anonymer Leser schrieb, der Komponist habe nur keinen Mut, sich eine Kugel in den Kopf zu jagen.
Hoffentlich fern von solchen Angriffen unternimmt Colin Davis derzeit seine zweite große Berlioz-Entdeckungsreise mit dem London Symphony Orchestra (er hatte schon in den Jahren 1965-80 praktisch das Gesamtwerk von Berlioz für Philips eingespielt und gilt als Berlioz-Spezialist); sein dirigentisches Wirken auf diesem schwierigen Terrain ist geprägt von tiefgründiger Kenntnis der komplexen Partituren - man höre nur den brillant instrumentierten doppelfugen-artigen Beginn des ersten Satzes! -, exakter Klangvorstellung und großer Begeisterung für die Schönheiten dieser immer noch wenig bekannten Musik (was ist im Berlioz-Jahr z. B. in Deutschland schon Großartiges zur Pflege dieses Repertoires passiert?). Tabea Zimmermann schwebt als Protagonist Harold mit wunderschönem Ton über dem turbulenten Geschehen. Ein guter Einstieg ins musikalische Wunderland des Hector Berlioz!

04.10.2003



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