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Hector Berlioz

Symphonie fantastique, La mort de Cléopâtre

Olga Borodina, Wiener Philharmoniker, Valery Gergiev

Philips/Universal 475 095-2
(72 Min., 5/2003) 1 CD

Tja, wo die Liebe hinfällt. Und bisweilen, betrüblich genug, unbeachtet liegen bleibt. Eine Schmach ist´s für all jene, die sich dem Gegenstand ihrer Leidenschaft zwar nähern, ihn aber nicht berühren dürfen. So geschehen im Fall von Hector Berlioz. Mit wildem Eifer stürzte er, nachdem er die Dame in Paris als Ophelia und Julia auf der Bühne gesehen hatte, in die Qual der Gefühle. Qual deswegen, weil die Auserwählte, die irische Schauspielerin Harriet Smithson, den Ansturm kühl parierte, ihn nicht einmal be- oder gerührt zur Kenntnis nahm. Nichts anderes blieb dem Komponisten übrig als die Sublimierung seiner Wünsche. Und also flossen die inneren Stürme hinein in sein romantisch-träumerisches orchestrales Opus "Symphonie fantastique". Untertitel: Épisode de la vie d´un artiste - was wohl keiner Übersetzung bedarf.
Verständlich, dass zum zweihundertsten Geburtstag des Schöpfers auch diese Episoden wieder einmal neu erzählt werden müssen. Marc Minkowski hat mit dem Chamber Orchestra of Europe vorgemacht, wie es gehen kann: luzide, prickelnd, klarsichtig, trennscharf, vielschichtig, mit einigen subtilen Untertönen: ein großer Entwurf. Valery Gergiev (Spitzname: der Grimmige) und die Wiener Philharmoniker lieben es direkter. Satter. Unverblümter. Schmachtender. Ja, und leider auch krachender. Die "Symphonie fantastique" als Liebesdrama, als Passione con fuoco inklusive Valse rasante und Alptraum. Einzig in der Szene auf dem Lande, mit seinen berückenden Soli von Oboe und Englischhorn, lugt ein kleiner Hoffnungsschimmer durch, kehrt für einen Augenblick Besinnung ein. Etwas monochrom das alles. Wie auch die Deutung der Scène lyrique "La Mort de Cléopâtre" mit der volltönenden Olga Borodina nicht wirklich Erhellendes zur Berlioz-Rezeption beizutragen in der Lage ist. Schade eigentlich.

Jürgen Otten, 13.12.2003



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