Kaum ein anderer Komponist unseres Jahrhunderts hat so gerne und so ausgiebig seine eigenen Werke dirigiert wie Leonard Bernstein. Und wie er sie dirigiert hat: so hingebungsvoll, so feurig - da wirkt die Musik tatsächlich, als habe der Komponist Bernstein dem Dirigenten Bernstein seine fetzige Klangsprache geradezu in die explosive Gestik hineingeschrieben. Das gilt ganz besonders für die Musical-Bearbeitung von Shakespeares "Romeo und Julia“ - ein Musical, das trotz (oder gerade wegen?) seines undogmatischen Brückenschlags zwischen „ernster“- und "Unterhaltungs"-Musik und trotz (oder wegen?) seines so Musical-untypischen tragischen Schlusses unglaubliche Erfolge feierte. Melodien, ja Ohrwürmer wie "Somewhere", "Maria", "Tonight" oder "America" stellen selbst die besten Produkte aus Andrew Lloyd Webbers Musical-Fabrik in den Schatten.
Wenn Leonard Bernstein auf meiner empfohlenen Aufnahme ein No-Name-(Broadway-?)Orchester leitet, dann beweist er sein dirigentisches Charisma schon dadurch, dass er dessen Musiker zu einem rhythmisch enorm genauen, farbsensiblen und hinreißend plastischen Spiel antreibt. Die Gesangsrollen sind mit passenden Stimmen und großen Namen besetzt. Die Aufnahme hochzuloben fällt schon allein deshalb nicht schwer, weil bislang noch weit und breit keine Konkurrenz in Sicht ist. Wie auch: Wer wollte es ernsthaft wagen, es auf diesem ureigensten Bernstein-Terrain mit "Lennie" dem Großen aufzunehmen?

Susanne Benda, 01.12.1999



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