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N° 1281
26.11. - 02.12.2022

nächste Aktualisierung
am 03.12.2022



Hector Berlioz

Requiem

Ronald Dowd, Wandsworth Boys Choir, London Symphony Orchestra, London Symphony Chorus, Colin Davis

Philips 416 283-2
(1969) 2 CDs, ADD



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Hector Berlioz

Requiem

John Aler, Atlanta Symphony Orchestra, Robert Shaw

Telarc/In-Akustik CD 80109
(1984) 2 CDs, DDD



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Dem äußeren Erscheinungsbild nach trägt das Werk seinen Untertitel zu Recht. Berlioz fordert für seine "große" Totenmesse vier- bis fünfhundertköpfige Chor- und Orchestermassen, vier Fernorchester und wahre Schlagzeugbatterien. Nur so sah er die Gewalten, die ihm in den apokalyptischen Abschnitten des "Tuba mirum", "Rex tremendae" und "Lacrymosa" vorschwebten, realisierbar. Wie in keiner anderen Requiem-Vertonung (selbst nicht der Verdis) herrschen hier Schrecken und Furor des Jüngsten Gerichts. Nicht ohne Stolz berichtet Berlioz, dass Mitwirkende und Zuhörer in der Uraufführung dutzendweise unter Weinkrämpfen zusammenbrachen!
Umso überraschender sind für den, der nur das Gigantomane erwartet (für das Berlioz eigenwilliges, der liturgischen Vorlage nur ungefähr folgendes Werk berühmt wurde), die zahlreichen verhaltenen Abschnitte. Hier finden sich oft unisono im piano geführte Melodien, tastende Harmoniefortschreitungen, die der flehentlichen Bitte um Vergebung und Erlösungshoffnung gelten. Gerade aber auch die riesigen Quantitäten dienen nicht selten der subtilen Klangfarben-Differenzierung, so etwa im Sanctus, wenn die zahlreichen Becken-Spieler eben nicht drauflosschlagen, sondern mit äußerster Zurückhaltung agieren.
Colin Davis vermittelt beide Komponenten auf höchst sinnliche und sinnfällige Weise. Die Chormassen, besonders die Männer, lässt er in den "Horror"-Szenarien geradezu naturalistisch-derb intonieren - als gelte es den Schrecken über die bevorstehenden Höllenqualen möglichst echt zu veranschaulichen. Auf der anderen Seite versteht sich Davis auf wunderbar innige orchestrale Linienführungen.
Die digitalen Aufnahmen, allen voran Robert Shaws Einspielung, bieten zwar den hier nicht unwichtigen fülligeren Raumklang, ihnen fehlt jedoch meist Davis' rhythmische Präzision und Stringenz (insbesondere im ergreifenden "Lacrymosa"). Von strengem Ernst und vorbildlicher Durchhörbarkeit, auch und gerade der blendenden Choristen im gewaltigen Orchestergetöse zeugt Charles Munchs alte Aufnahme aus den sechziger Jahren mit den Ensembles des Bayerischen Rundfunks. Es wäre sehr zu wünschen, dass diese in ihren stillen wie apokalypitschen Momenten so eindringliche Einspielung wiederaufgelegt wird.

Christoph Braun




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