Johannes Brahms

Klarinettenquintett h-Moll op. 115

József Balogh, Danubius-Streichquartett

Naxos 8.550391
(1991) DDD



Johannes Brahms

Klarinettenquintett h-Moll op. 115

Karl Leister, Leipziger Streichquartett

MDG/Codaex 307 0719-2
(1996) DDD



Mozart und Brahms - es ist eine eigenartige Parallele - verliebten sich in ihrer letzten Lebens- und Schaffenszeit in die Klarinette, die zur persönlichsten Stimme ihrer Spätwerke wurde. Im Januar 1891 lernte Brahms Richard Mühlfeld kennen, den Solo-Klarinettisten des Meininger Hoforchesters. Eine ganze Nacht lang ließ er sich vorspielen, so begeistert war er von dessen Kunst. Später stellte er den Musiker immer als "Fräulein von Mühlfeld, meine Primadonna" vor.
Für "Fräulein Klarinette" - so nannte Brahms sein neues Lieblingsinstrument - schrieb er dann ein sehr aufgewühltes Trio, das großes Quintett, und zwei Jahre später kamen als Schlusspunkt aller Kammermusik noch zwei herrliche Sonaten für Klarinette und Klavier. Ist es nicht seltsam berührend, dass der einsame Junggeselle sich die eindringlich-melancholische Stimme dieser persönlichen Abschiedsmusiken als Frau vorstellte? Und so schwingt im reifen Glanz dieser letzten Kammermusikwerke eine seltsame Lebensverliebtheit mit.
Meine Lieblingsaufnahme ist immer noch dieselbe, mit der ich das Werk kennenlernte. Es ist nicht selten so: Man möchte ein Stück unbedingt hören, achtet gar nicht auf die Interpreten und verinnerlicht das Werk, ohne zu bedenken, durch wessen Geist man es vermittelt bekommt, ja dass überhaupt jemand dazwischen steht. Und dann ist man so geprägt vom Erstgehörten wie das Kind von der Stimme der Mutter.
Ich kann also hier keine Kritiker-Objektivität heucheln. Die Naxos-Aufnahme mit József Balogh und dem Danubius-Quartett höre ich immer noch am liebsten, ihre strömende, melodische Süße rührt mich immer noch. Wie atmend und wehmütig klingt doch Baloghs Instrument. Die Aufnahme Sabine Meyers wirkt richtig frostig daneben - wobei alte CD-Liebschaften immer ungnädig machen gegen andere Deutungen.
Für eine Fassung aber rückte meine alte Naxos-Liebe voller Respekt etwas zur Seite: Karl Leister mit dem Leipziger Streichquartett. Diese Interpreten loten dynamische Grenzbereiche aus, mikroskopische Strukturen schälen sich aus dem Pianissimo. Das strukturelle Musizieren der Leipziger ergänzt die gefühlvollere Sicht der Ungarn prächtig.

Matthias Kornemann




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