Johannes Brahms

Klaviertrios 1 - 3

Julius Katchen, Josef Suk, Janos Starker

Decca 448 092-2
(1968) 2 CDs, ADD


Johannes Brahms, Franz Schubert

Klaviertrios

Walter Gieseking, Gerhard Taschner, Ludwig Hoelscher

Bayer-Records 200 031
(1947) ADD, mono


Es gibt Melodien, die man einmal hört und dann nie wieder vergisst. Der Beginn von Brahms erstem Klaviertrio gehört dazu. Das muss auch Brahms gespürt haben, als er das Werk zur Vorbereitung einer neuen Werkausgabe 1889 wieder vornahm. Nur war es dem reifen Traditionshüter allzu weitschweifig. Er überarbeitete das Stück. Eigentlich wollte er dem schönen Jugendtrio nur "ein wenig die Haare glätten", wie er sagte, doch einmal im Schwung schrieb er es fast neu. So haben wir beide Fassungen, und das ist bei Brahms, der so gnadenlos alles Unfertige vernichtete, eine absolute Ausnahme.
Als Julius Katchen mit Josef Suk und Janos Starker 1968 die Brahms-Trios einspielte, wusste er, dass er nur noch wenige Monate zu leben hatte. Doch wusste er auch, dass er nun am Ende seines langen Weges vom donnernden Virtuosen zu einem sensiblen Kammermusiker angekommen war, der näher zu seinem Abgott Brahms gelangt war als irgendein Pianist seiner Zeit. Und in dieser ergreifenden Aufnahme schwingt all das mit, im schwärmerischen Beginn die welterobernde Gebärde, mit der der junge Amerikaner Ende der vierziger Jahre nach Paris kam, und im zaghaft sich freisingenden zweiten Thema - Brahms schrieb es neu - etwas müde Reife und schon Abschied. So hört man in diesem Thema eine bittere Zurücknahme des optimistischen Beginns. Es gibt andere schöne Aufnahmen (Beaux-Arts-Trio), aber nur diese für mich schönste erspürt den zwiespältigen Ton des Stücks.
Das zweite Trio hielt Brahms für sein gelungenstes Kammermusikwerk. Katchen, Suk und Starker sind überraschend zart und behutsam in diesem oft allzu robust gespielten Stück.
Das letzte Trio in c-Moll, so wuchtig und streng beginnend, wirkt abweisender. Hier lohnt es sich, zu einer Kostbarkeit zu greifen, nämlich der Live-Aufnahme des Trios Walter Gieseking, Gerhard Taschner und Ludwig Hoelscher von 1947. Wie sich der Kopfsatz nach schroffer Anfangsgeste rasch beruhigt, im Seitenthema dann gar ungarisch plänkelnde Freude aufkommt, das ist schon ein Interpretationswunder. Das Stück wird gleichsam von seinem thematisch-strukturellen Überdruck befreit.

Matthias Kornemann




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