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Edgar Varèse

Das Gesamtwerk

Asko Ensemble, Concertgebouw-Orchester Amsterdam, Riccardo Chailly

Decca 460 208-2
(150 Min., 1992 - 1998) 2 CDs, Komponiert: 1906-61

Der geballte Varèse - das ist für jeden Hörer eine gewaltige Anstrengung. Varèses Musik gehört zum Härtesten und Kompromisslosesten, was im 20. Jahrhundert komponiert worden ist. Varèse war einer der großen erratischen Blöcke der Neuen Musik, war extrem selbstkritisch (deswegen passt sein Gesamtwerk auch auf zwei CDs!), weigerte sich "Schule zu machen" und beeinflusste trotzdem so verschiedenartige Musiker wie Karlheinz Stockhausen, Charlie Parker und Frank Zappa.
Dem Projekt einer Gesamteinspielung gebürt allerhöchstes Lob; zu den bisher bekannten Werken treten zwei nachträglich edierte bzw. rekonstruierte Stücke sowie die von Anthony Beaumont angefertigte Orchestrierung von Varèses frühem Lied "Un grand sommeil noir" - dem einzig erhaltenen Zeugnis seiner spätromantischer Frühphase. Besonderes Interesse verdient die erstmalige Einspielung des gewaltigen Orchesterwerks "Amériques" in seiner Urfassung - die einen noch größeren Apparat benötigt (allein 56 Bläser!) als die bekannte revidierte Version.
Riccardo Chailly liegt diese Musik spürbar im Blut. Er stellt die Schärfen und verletzend rauhen Kanten schonungslos heraus, unterschlägt aber andererseits nicht die stets zugrundeliegende Emotionalität von Varèses Klangsprache. Der Gefahr, den Komponisten wie einen technikbesessenen Finsterling klingen zu lassen, begegnet Chailly mit einer bewussten Auflegung der Bezüge zur Vergangenheit, die zumindest bei Varèses frühen Werken, etwa in den "Amériques" und auch in "Arcana" durchaus noch vorhanden sind.
Hervorragend gelungen sind auch die "Déserts" mit ihrer Interpolation von instrumentalen und - eigens für diese Einspielung neu aufbereiteten - elektronischen Klängen. Bei dieser Veröffentlichung ist wirklich alles vorbildlich geraten - Interpretation, Klang und Präsentation.

Thomas Schulz, 01.12.1999



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