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Johann Strauß

Die Fledermaus

Hermann Prey, Julia Varady, René Kollo, Iwan Rebroff, Lucia Popp u.a., Bayerisches Staatsorchester, Carlos Kleiber

Deutsche Grammophon 415 646-2
(1975) Komponiert: 1873/74, Uraufführung: 1874 in Wien; ADD

Sogar "die Fledermaus / hört sich / von Strauß" dichtete Christian Morgenstern, als diese Operette ihren zwar sofortigen, aber trotzdem dauerhaften Siegeszug um die Welt machte. Also die großartigste der Wiener Operetten? Nein, da gibt’s ja auch noch Léhars "Lustige Witwe". Aber wenn je ein Welt-Kulturminister dekretieren sollte, es dürfe nur zwei deutschsprachige Operetten geben, dann wären’s diese zwei. Das Libretto der "Witwe" ist unendlich raffinierter, aber die Musik hält sich die Waage, wenn man rund vierzig Jahre addiert beziehungsweise subtrahiert. Strauß strotzt nur so vor Energie und Witz, Léhar, der Puccini der Operette, schlängelt sich über Samt und Seide (an Witz fehlt es übrigens auch nicht).
Bemerkenswert ist, dass Strauß gar nicht so recht wollte. Das Quasi-Jukebox-Geschäft in den Beiseln und den Herrenhäusern Wiens war einträglich genug, er sah sich - trotz beschreibender Titel - immer als absoluten Komponisten. (So soll er große Teile der "Fledermaus" komponiert haben, bevor ihm überhaupt ein Text vorlag.) Aber Frau Jetty hatte mehr Ehrgeiz, sie wollte ihren "Schani" nicht nur als ungekrönten, sondern als gekrönten König von Wien sehen. Ergo: Theater. Ein paar Flops, ein paar Halb-Hits folgten - und dann "Die Fledermaus".
Keiner, der bei der Uraufführung dabei war, lebt noch. Aber wenn man den Erfolg quasi hochrechnet auf heute, wenn man die Lebenslust, den Überschwang, die schiere Musikalität jener Veranstaltung sich ins Heute denkt: Dann könnte etwas herauskommen, das klingt wie die "Fledermaus" von Carlos Kleiber. Der Mann gilt ja als schwierig (... um es milde auszudrücken ...), er sagt zirka hundertmal mehr ab als zu, und er pflegt ein (wiederum mild) engumgrenztes Repertoire. Aber keiner kann derzeit ein Orchester, kann Sänger, kann ein Ensemble mehr zum Tanzen bringen als er. Da gibt es die eine oder andere schwer erträgliche Entscheidung, zum Beispiel den Prinzen Orlofsky, der mit einem falsettierenden Pop-Bassisten wie Iwan Rebroff - naja, vielleicht falsch besetzt ist? Das entscheide jeder selbst. "Hinreißend" bleibt trotzdem die genaueste Vokabel für diese Aufnahme.

Thomas Rübenacker, 01.12.1999



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