Pferde und Esel traben über die Bühne. Kutschen ziehen vorbei am Heer der Statisten, an den Soldaten, Nonnen, Priestern, an den Kindern und Bettlern, an den Obst- und Gemüseverkäufern, an den Damen und Herren der Gesellschaft, am einfachen Volk. Links und rechts von diesem Gewimmel wird Flamenco getanzt. Das macht zwar keinen Sinn, aber wer fragt danach? Verona hält, was Verona verspricht: Oper ist hier Spektakel für die Massen und sonst gar nichts. Diese "Carmen" bildet da keine Ausnahme. Franco Zeffirelli hat sie inszeniert, in kitschigen Bühnenbildern von Giuseppe de Filippi Venezia und noch kitschigeren Kostümen von Anna Anni.
Kein Klischee, das nicht bedient wird. Carmen selbst geriert sich, als sei sie die Hauptattraktion beim Themenabend "Die verruchte Zigeunerin" in irgendeinem russischen Swinger Club. Marina Domashenko singt das ordentlich, aber auch nicht mehr. Maya Dashuks blonde Micaëla ist ganz die Unschuld vom Lande, neigt verschämt den Kopf und verbirgt unter der hübschen Oberfläche ihres Soprans einen harten Kern. Raymond Aceto verlässt sich darauf, dass bei "Torreador, en garde!" sowieso alle applaudieren. Marco Bertis Don José macht in diesem Quartett die beste Figur, und Alain Lombard dirigiert einen Routine-Bizet in die Veroneser Abendluft.

Jochen Breiholz, 25.09.2004



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