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N° 1290
28.01. - 03.02.2023

nächste Aktualisierung
am 04.02.2023



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Orlando di Lasso, Thomas Ashewell, Giovanni Pierluigi da Palestrina

La quinta essentia (Messvertonungen)

Huelgas Ensemble, Paul Van Nevel

harmonia mundi HMC 901922
(77 Min., 11/2005) 1 CD

"Lassus, die Vokalpolyfonie menschlichen Maßstabs; Palestrina, die Musik der religiösen Versenkung; Ashewell, die Virtuosität unerschöpflicher melodischer Verzierungskunst." Soweit Paul Van Nevels eigene, resümeeartige Kurzcharakteristik im Beiheft des hier vorgelegten Messenprogramms. Die jeweiligen Eigenheiten der drei historisch benachbarten Kompositionsstile zu zeigen bemüht sich van Nevel auf der Basis einer von Homogenität und großer Intonationsreinheit geprägten vokalen Ensemblekunst, die in ihrer neutralen Beinahe-Perfektheit den eigentlichen Darbietungs- oder "Interpretations"-Vorgang stark verobjektiviert und damit die Musik als solche bedingungslos in den Vordergrund treten lässt: Die eigenwilligen Harmoniefolgen in Lassos auf einer Gombert-Chanson beruhenden Missa "Tous les regretz" und Ashewells auf der gregorianischen Antifon basierenden Missa "Ave Maria" werden ebenso klar und direkt erlebbar wie die vielschichtigen und komplexen horizontalen Verläufe in allen drei hier exponierten Werken. Zu Tage tritt dabei auf eindrucksvolle Weise die merkwürdige Zeitlosigkeit dieser Musik, die den Hörer weit ab von allen Alltagsfragen, ja selbst von allen epochalen Problemstellungen, mit dem Ewigen auf Tuchfühlung kommen lässt, das die Komponisten abbildartig in ihren nach Vollkommenheit strebenden Satzstrukturen widerzuspiegeln versuchten. Es ist ihnen gelungen, möchte man sagen; der Eine – Lasso – nimmt mit seinem im Vergleich "weltlicheren" Stil mehr die Perspektive des Menschen ein; der Andere – Palestrina – sucht auf direkterem Wege nach elysischer Makellosigkeit, dabei mit dem Solmisations-Soggetto "Ut re mi fa sol" ein denkbar amorphes Material zu Grunde legend; und ein Weiterer – Ashewell – konfrontiert eine schon zu seiner Zeit altehrwürdige gregorianische Melodie mit einem unerschöpflichen Drang zum sich selbst genügenden, aber gerade dadurch den Schöpfer preisenden ornamentalen Weben. Diese CD präsentiert all dies auf geradezu suggestive Weise dank einer Spitzenleistung Paul Van Nevels, der hier mit einer erlesenen Auswahl von erfahrenen Sängern in bester Form zu erleben ist. Bravo.

Michael Wersin, 01.02.2008



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