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N° 1254
21. - 27.05.2022

nächste Aktualisierung
am 28.05.2022



Frédéric Chopin

24 Préludes op. 28

Ivo Pogorelich

DG 429 227-2
(1989) Komponiert: 1836-39



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Frédéric Chopin

24 Préludes op. 28

Martha Argerich

DG 415 836-2
(1977) Komponiert: 1836-39



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Frédéric Chopin

24 Préludes op. 28

Maurizio Pollini

DG 413 796-2
(1975) Komponiert: 1836-39



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Frédéric Chopin

24 Préludes op. 28

Cyprien Katsaris

Sony 53355
(1992) Komponiert: 1836-39



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Wenn Chopin gesagt hat: "Das Klavier ist mein zweites Ich!", dann sind die 24 Préludes des Opus 28 das Panoptikum seiner denkbar vielfältigen, man könnte auch sagen: zerrissenen Seele. Denn was sich hinter der - formal dem Quintenzirkel und Bachs "Wohltemperiertem Klavier" anlehnenden - Sammlung von aphoristisch kurzen Stücken verbirgt, das wechselt wie kaum eine andere Werkgattung Chopins zwischen zügellosen Verzweiflungsausbrüchen, lyrischen Träumereien, scheuen Versuchen und stolzem Pathos. ("Prélude" ist bei Chopin nur ein Verlegenheitsbegriff, der nichts mit einem herkömmlichen Präludium als Vorspiel zu tun hat.)
Ivo Pogorelich Ist die ausgeklügeltste, in jeder Faser, jedem Takt durchdachteste Version der Préludes gelungen: Keiner kann musikalisch derart atmen, setzt so wohlbedacht Rubati, differenziert so ausgeklügelt den Anschlag zwischen härtester Punktierung und großatmigem Legato, keiner hört so hinein in Akkorde, in Klangfarben. Auch arbeitet Pogorelich die schärfsten Tempo- und Stimmungskontraste zwischen "Lento" und "Presto con fuoco" heraus. Aber die langsamen Tempovorgaben! Sie offenbaren Pogorelichs berühmt-berüchtigten Manierismus. So gerät etwa das 13. Prélude zu einem langsam zerbröselnden, eigentlich statischen Abgesang. Da möchte man lieber auf Mauricio Pollinis oder Cyprien Katsaris Sinn für (durchaus spannungsreiche) Proportionen zurückgreifen.
Martha Argerichs Fulminanz verleiht vielen Préludes den nötigen Espressivo-Charakter, besonders der berühmten "Regentropfen"-Nummer, die zum prasselnden Gewitterschauer intensiviert wird. Überhaupt ist ein perlenderes, brillanteres Spiel ihrer Allegro-Passagen kaum denkbar. Langeweile jedenfalls war und ist offenbar ihr größter Feind. Ihr Vorwärtsdrang verunklart allerdings auch manches Detail und lässt es in zuviel Pedal versinken. Mängel und Glanz also hüben wie drüben.
Jedenfalls zeigen alle vier herausragenden Einspielungen: Chopins Zyklus, diese genialen "Skizzen, Ruinen, Adlerfittige", wie Robert Schumann sie nannte, sind ein Pianisten-Prüfstein der besonderen, charaktervollen Art, haben sie doch weit mehr als eine fantastische Fingerfertigkeit zur Voraussetzung.

Christoph Braun




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