Edward Elgar

Enigma-Variationenen

Philharmonia Orchestra, John Barbirolli

EMI 5 66322 2
(1962) Komponiert: 1898/99, Uraufführung: 1899 in London

Edward Elgar

Enigma-Variationenen

City of Birmingham Symphony Orchestra, Simon Rattle

EMI 5 55001 2
(1993) Komponiert: 1898/99, Uraufführung: 1899 in London

Edward Elgar

Enigma-Variationenen

London Philharmonic Orchestra, Charles Mackerras

Decca 436 545-2
(1992) Komponiert: 1898/99, Uraufführung: 1899 in London

Die Geburtsstunde der neueren britischen Musik schlug im Juni 1899. Bis dahin war Edward Elgar mit verschiedenen Orchester- und Chorwerken in Erscheinung getreten, ohne jedoch die besondere Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu erregen. So rechnete am Abend der Uraufführung der "Enigma-Variationen" wohl keiner der Anwesenden damit, der Premiere des ersten sinfonischen Meisterwerks englischer Herkunft beizuwohnen. Elgar hatte sich mit dieser Komposition endgültig als führender Komponist seines Landes etabliert.
Der vollständige Titel des Werks lautet übersetzt: "Variationen über ein Originalthema ('Enigma')". In den vierzehn Variationen porträtiert Elgar einige seiner engsten Freunde, deren prägnanteste Charakterzüge musikalisch widergespiegelt erscheinen. Die Identität dieser Personen hat Elgar ursprünglich nicht preisgegeben bzw. durch Kürzel und Spitznamen in den Variationsüberschriften lediglich angedeutet; nur die Dargestellten selbst sollten sich erkennen. In Elgars Thema und in der Formanlage des ganzen Werks ist nach den Worten des Komponisten ein weiteres Thema verborgen, das aber nie wirklich gespielt wird – daher der Untertitel "Enigma" (Rätsel). Um die Identität dieses Geheimthemas ist viel spekuliert worden, sie konnte indes bis heute nicht gelüftet werden. Doch auch ohne den programmatischen Aspekt überzeugen die "Enigma-Variationen" als meisterhaft gebautes, brillant instrumentiertes Orchesterwerk – ein Dokument der Freundschaft ebenso wie die Unabhängigkeitserklärung eines großen Komponisten.
Kein Freund der Musik Elgars kommt an den Interpretationen John Barbirollis vorbei. Der britische Dirigent italienischer Herkunft bewies Gespür für Elgars Tonsprache wie kein zweiter. Bei ihm sind es tatsächlich lebendige Personen, die in den "Enigma-Variationen" zu uns sprechen. Barbirolli erkannte die Größe dieser Musik, und daher kommt bei ihm niemals die Gefahr von Sentimentalität (in der "Nimrod"-Variation) oder viktorianischem Bombast (im Finale) auf, in die sich oberflächlichere Interpretationen meist begeben – und kläglich scheitern.
Im Digital-Zeitalter ragen die Einspielungen von Simon Rattle und Charles Mackerras aus der Flut der Dutzendware hervor. Welche von beiden man wählt, hängt davon ab, welches Werk man als Kopplung bevorzugt – die gleichermaßen skurrile wie nachdenkliche Tondichtung "Falstaff" (Rattle) oder das melancholische Cellokonzert (Mackerras).

Thomas Schulz




Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Gab es einen größeren Goethe-Verehrer unter den Komponisten als Ludwig van Beethoven? Den Poeten lernte Beethoven 1812 kennen, da hatte er sich von dessen Werken schon längst zu eigenen Kompositionen inspirieren lassen, vor allem zu einer ausgedehnten Bühnenmusik zum Trauerspiel „Egmont“. Eine geniale Mischung aus Poesie bzw. poetischer Andeutung und musikalischer Ausgestaltung, aus Worten und Klang. Diese Musik habe er „bloß aus Liebe zum Dichter geschrieben“, meinte Beethoven in […] mehr »


Top