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N° 1220
25.09. - 01.10.2021

nächste Aktualisierung
am 02.10.2021



Claude Debussy

Vorspiel zum Nachmittag eines Fauns (Prélude à l'après-midi d'un faune)

New Philharmonia Orchestra, Pierre Boulez

Sony SM2K 63244
(1966) 2 CDs, Komponiert: 1894, Uraufführung: 1894 in Paris



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Claude Debussy

Vorspiel zum Nachmittag eines Fauns (Prélude à l'après-midi d'un faune)

Dresdner Philharmonie, Carl Schuricht

Berlin Classics/Edel 0090732BC
(1943) Komponiert: 1894, Uraufführung: 1894 in Paris



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Wie verbringt denn eigentlich der Faun seinen Nachmittag in Stéphane Mallarmés Gedicht? Kurz gesagt, in unerfüllter Sehnsucht geradezu vertrocknend. Die schönen Nymphen, die er locken wollte mit seinem Flötenspiel, entwichen ihm, er sieht sich verschmäht, und festhalten kann er sie nur in seiner erotischen, kreisenden Fantasie. Doch Sehnsucht ist besser als Erfüllung, denn, sagt Pierre Boulez so schön, "nach der Flöte des Fauns atmet die europäische Musik anders".
Dieses kurze Stück bringt einen neuen, unerhörten Ton in die abendländische Musik - eine unbekannte, schlank die Farben absetzende Transparenz des Orchesterklangs, die die dicken Mischklänge des Wagnerismus wegweht. So findet Debussy für sein Gedicht vom erotischen Sehnen des armen Fauns eine Art antikisierend helle Sprache, eine Sprache, die Pierre Boulez wunderbar versteht. Boulez, den man wegen seiner Parteinahme für die serielle Musik gern mit zerfasernder Analytik in Verbindung bringt, legt in seiner frischen Interpretation von 1966 eine fragende, zweideutige Gespanntheit in jede Instrumentallinie, schon ins berühmte Flötensolo am Beginn. Er findet nicht zu laschem Fließen, sondern zu vielen kleinen federnden Bögen - den kreisenden Gedanken des Fauns zwischen Hoffen und Verzweiflung. So spiegelt die Musik den symbolistisch-knappen Monologstil Mallarmés. Mit Impressionismus hat das wenig zu tun. Schon Debussy ärgerte sich über diese Etikettierung.
Die faszinierende, uralte Interpretation Carl Schurichts zeigt die dunkle Rückseite der lichten Faunslandschaft. Schuricht legt ein enorm breites Tempo vor (zwei Minuten länger als Boulez!), und in diesem Fast-Stillstand entfaltet sich die grübelnde, ja schwermütige Seite des Faunmonologs mit einer fast hypnotischen Innenspannung. Schuricht überdehnt all die melodischen Figuren, als wolle er erproben, ob sie bloße Ornamente sind oder etwas bedeuten im langsam rezitierten, dunklen Text. Wie einfallslos stutzen daneben viele Dirigenten dieses zu oft gehörte Werk auf behagliches Vorüberfließen.

Matthias Kornemann




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