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Frédéric Chopin

Die beiden Klavierkonzerte in den Kammermusikfassungen

Fumiko Shiraga, Yggdrasil Quartett, Jan-Inge Haukås

BIS/Disco-Center CD-847
(72 Min.) 1 CD

Es ist ein Allgemeinplatz: viel los ist nicht in Chopins Orchester. Vermutlich stammt die vielgeschmähte Instrumentierung nicht einmal von der Hand des Tasten-Autisten. Autographen fehlen. Nun ist es - Weltpremiere auf CD - ganz abgeschafft, das Ungeliebte. Fumiko Shiraga (Klavier) und das schwedische Yggdrasil-Quartett, um einen Kontrabaß verstärkt, folgen einer Aufführungspraxis, die bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts gang und gäbe war. Um den Absatz zu fördern, gaben die Verleger Konzerte auch in einer Kammerfassung für Streicher heraus. Aus Briefen läßt sich belegen, daß Chopin seine Konzerte in dieser Besetzung selber aufgeführt hat.
Diese schlanke Version stellt die Werke in ein überraschend fremdes, zarteres Licht. Der Solopart gewinnt dort, wo sein Lametta etwas äußerlich wirkte, einen mattgoldenen, gedämpften Schimmer und fügt sich in ein Kammermusik-Klangbild, dessen metrische Biegsamkeit so von keiner größeren Besetzung erreicht wird. Hier triumphiert nicht mehr der strahlende Solist über ein blasses Orchester, man spielt vielmehr ganz geschmeidig miteinander (Rondo-Seitenthemen!). Und in den Mittelsätzen, wo das Klavier seine nocturnehaften Monologe hält, endlich einmal leere nächtliche Interieurs; statt des farblosen Streichergemurmels vernimmt man bloß eine einsame, warme Cellostimme im Hintergrund. Diese Abschaffung des Orchesters beschert uns wirklich eine Chopin-Sternstunde.

Matthias Kornemann, 31.05.1997



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