Claude Debussy

Préludes

Walter Gieseking

EMI 7 61004 2
(1953, 1954) mono, ADD



Claude Debussy

Préludes Heft 1

Arturo Benedetti Michelangeli

Deutsche Grammophon 413 450-2
(1977) ADD



Claude Debussy

Préludes Heft 2

Arturo Benedetti Michelangeli

Deutsche Grammophon 427 391-2
(1987) DDD



Debussys "Préludes" sind Spätwerke aus einer von beginnender Krankheit belasteten Zeit, in der ihm das Komponieren immer schwerer fiel. Quälend langsam erarbeitet Debussy sein Stilideal: Wie skizzierte Improvisationen sollten die Stücke wirken. Ihre poetische Bildwelt steht nicht fertig da - man erlebt ihr langsames Wachsen mit jedem Hören. Debussy stellt die Titel aller "Préludes" ans Ende.
Es ist verblüffend, wie die beiden wichtigsten Interpreten der vierundzwanzig Stücke diese Kluft zwischen Entstehung und Ideal aufgreifen. Walter Gieseking belächelte Kollegen, die viel übten. Ihm machte das Klavierspielen keine Mühe. Er ist der perfekte Gestalter dessen, was diese "Préludes" sein sollten: zarte bewegte Bilder voller Leichtigkeit.
Arturo Benedetti Michelangeli feilte dagegen jahrzehntelang an seinen Interpretationen und mag dabei die gleichen Qualen erlebt haben wie der Komponist. Und Michelangeli feilte weiter, unterwegs zur pianistischen Vollkommenheit. Jeder Akkord klingt wie ein Kristall, jede noch so winzige Nuance hat Reife und Geschichte. Es sind vollendete Kunstwerke, allerdings immer traurig und etwas freudlos. Die erfrorene Winterlandschaft von "Des pas sur la neige" hat mit Michelangeli ein nahezu unerträgliches Maß an Eindringlichkeit erreicht. Solche Interpretationen sind endgültige Aussagen und Marksteine der Pianistik des vergangenen Jahrhunderts.
Obwohl die beiden Pianisten sicher die Meister des leisesten, nuanciertesten Anschlags waren, ist Walter Gieseking Michelangelis Gegenstück. Sein Spiel hat die vitale Bewegungslust eines rasch Zeichnenden, der den Augenblick auf sein Papier bannen will. "Was der Westwind gesehen hat" ist ein unglaublich wildes Meerbild geworden, und die gleißenden Tonkaskaden des "Feuerwerks" sprüht Gieseking heraus mit sorgloser Lust am Spiel (nicht jeder Ton ist ein Treffer). Das Grölen, das man in der "Puerta del vino" zu hören meint, die ferne italienische Melodie in den "Hügeln von Anacapri", das Lärmen der Komödianten ("Minstrels") - das Lebendige selbst weht durch Giesekings "Préludes".

Matthias Kornemann




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