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N° 1291
04. - 10.02.2023

nächste Aktualisierung
am 11.02.2023



Paul Hindemith

Sinfonie "Mathis der Maler"

Philharmonisches Orchester Israel, Leonard Bernstein

Deutsche Grammophon 429 404-2
(1989) Live-Aufnahme, Komponiert: 1933-34, Uraufführung: 1934 in Berlin



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Paul Hindemith

Sinfonie "Mathis der Maler"

Berliner Philharmoniker, Claudio Abbado

Deutsche Grammophon 447 389-2
(1995) Live-Aufnahme, Komponiert: 1933-34, Uraufführung: 1934 in Berlin



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Es war Wilhelm Furtwängler, der Paul Hindemith Ende 1933 um ein Orchesterwerk für die Berliner Philharmoniker bat. Da Hindemith gerade mit der Komposition seiner Oper „Mathis der Maler“ beschäftigt war, entschloss er sich, einige Passagen daraus zu einer Sinfonie zusammenzufassen. In der Oper befasst sich Hindemith mit dem Schicksal des Malers Matthias Grünewald. Die Wahl dieses Charakters, der sich während der Bauernkriege vor die Wahl zwischen künstlerischer Betätigung und politischem Engagement gestellt sah, hatte für Hindemith zweifelsohne autobiografische Bedeutung. Außermusikalische Grundlage der „Mathis-Sinfonie” sind die drei Bilder des von Grünewald gemalten Isenheimer Altars.
In der Komposition zeigt sich eine Abwendung Hindemiths von seinem bisherigen neubarock-nüchternen Stil hin zu einer größeren Ausdruckstiefe. In den drei Sätzen „Engelskonzert”, „Grablegung” und „Die Versuchung des heiligen Antonius” erscheinen mittelalterliche Melodien als thematisches Material. Im Finale wird der verzweifelte Kampf des Menschen gegen die dunkle Seite seiner Seele mit einer Dramatik und emotionalen Intensität geschildert, die in Hindemiths Schaffen ihresgleichen sucht. Die triumphale Uraufführung der „Mathis-Sinfonie” unter Furtwängler bestärkte die Nazis in ihrem Hass gegen Hindemith. Ab 1936 war seine Musik verboten.
Leonard Bernsteins Live-Aufnahme beeindruckt durch die Konsequenz, mit der Hindemiths Werk ohne Wenn und Aber als Ausducks- und Bekenntnismusik interpretiert wird. Die bedrohliche Atmosphäre des Beginns der „Versuchung des heiligen Antonius” erhält bei Bernstein eine geradezu gespenstische Dimension. Sein spontane Musikalität lässt ihn jedoch die dramaturgische Stringenz der Sinfonie nicht vernachlässigen. Ebenfalls auf höchstem Niveau bewegt sich Claudio Abbados Interpretation, eine der wenigen Aufnahmen des Werks mit den Berliner Philharmonikern. Sie gibt sich etwas verhaltener, entfesselt jedoch im Finale geradezu kriminelle Energie.

Thomas Schulz




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