Joseph Haydn

Die Jahreszeiten

Angela Maria Blasi, Josef Protschka, Robert Holl, Arnold Schoenberg Chor, Wiener Symphoniker, Nikolaus Harnoncourt

Teldec 2292-42699
(1987) 2 CDs, Komponiert: 1799-1801, Uraufführung: 1801 in Wien



Joseph Haydn

Die Jahreszeiten

Edith Mathis, Siegfried Jerusalem, Dietrich Fischer-Dieskau, Academy of St Martin in the Fields, Neville Marriner

Philips 438 715-2
(1981) 2 CDs, Komponiert: 1799-1801, Uraufführung: 1801 in Wien



Es sollte ein zweiter "Schöpfungs"-Erfolg werden. Doch Haydn war unzufrieden mit seinem letzten Oratorium. Er empfand beim Libretto, das sein Oratorienberater van Swieten nach James Thomsons "Seasons" bearbeitet hatte, "das Niedrige und hielt es für besser, wenn der ganze Quark nicht da wäre". Der Grund, so Haydn nach der Uraufführung, "ist der: in dem einem (der Schöpfung) sind die Personen Engel, in dem anderen (hier) sind es Bauern".
In den vier kantatenhaft organisierten Teilen dieses weltlichen Oratoriums wird denn auch weniger Gottes Schöpfung gepriesen als die irdenen Jahreszeiten und entsprechende Szenen aus dem Landleben beschrieben. Also ein ländlich-idyllischer Langweiler? Weit gefehlt. Haydn hat grandios viel und Gewichtiges aus jenem "Quark" gemacht hat.
Nikolaus Harnoncourt beweist es: so trotzig tönt bereits die Einleitung mit ihren scharfen Bläserakkorden. Einerseits gibt‘s bei ihm Naturalismus pur: mal kratzbürstig derb, mal schmeichelnd melodiös - so vergegenwärtigt Harnoncourt Haydns Kaleidoskop an Wetter-, Wald-, Wiesen- und Feldarbeitsskizzen. Andererseits psychologische Tiefendeutung: über die Naturalien hinaus wird auf analoge Seelenzustände verwiesen - wer noch nicht weiß, wie bedrohlich Gewitter sein können, der kann‘s hier zumindest hören! Die solistischen Landleute agieren plastisch, textsinnlich, ohne etwa in Fischer-Dieskaus Übertreibungen zu verfallen. Der Schönberg-Chor verliert bei aller Stimmkultur nie die Bodenhaftung.
Auch Neville Marriners Einspielung mit den schon vom Namen her passenden Ensembles kann Referenzcharakter beanspruchen - trotz der oben genannten Fischer-Dieskau-Einschränkung. Denn hier ist ein organischer, natürlicher Haydn-Tonfall zu goutieren. Was dem Landleben ja auch zuträglich ist.

Christoph Braun




Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Der Himmel hinter Mauern: Es mag ungewöhnlich aus heutiger Sicht erscheinen, dass eine Ordensschwester Arbeiten nachgeht, die sich nicht unmittelbar aus ihrem Dienst am Kloster ergeben zu scheinen, aber tatsächlich waren Klöster bis kurz vor der Reformation bereits blühende Orte der Konversation, der Kultur und der Künste. Chiara Margarita Cozzolani, eine im Mailänder Raum des 17. Jahrhunderts in eine wohlhabende Familie hineingeborene Frau, legte mit 18 Jahren ihr Gelübde bei den […] mehr »


Top