Responsive image
Frédéric Chopin, Karol Szymanowski

Préludes op. 28, Préludes op. 1

Ewa Kupiec

Koch/Schwann 3-6562-2
(61 Min., 12/1997) 1 CD

Die neue CD der polnischen Pianistin Ewa Kupiec hinterläßt einen höchst zwiespältigen Eindruck. Da ist zunächst die stimmige Koppelung von Karol Szymanowskis und Frédéric Chopins Préludes, den Präludien zweier Komponisten polnischer Herkunft also, die sich auf der europäischen Kulturbühne aus sehr heterogenen Einflüssen einen ganz eigenen Personalstil schufen. Zudem trägt Szymanowskis op. 1, das der Achtzehnjährige 1899/1900 schuf, deutlich die Handschrift des großen Vorbildes Chopins (und Skrjabins). Die neun Jugendstücke sind - Frieder Reininghaus’ prätentiösem Einführungstext zum Trotz - mit einer Ausnahme getragen von einem introvertierten, tastenden Gestus. Und diesen vermag Ewa Kupiec mit ihrem ausgeprägten Sinn für das Fragile dieser gleichermaßen frühen wie späten Jahrhundertwendekunst ihres Landsmannes genau zu vermitteln.
Robert Schumann nannte Chopins formal an Bachs Wohltemperiertes Klavier angelehnte Préludes treffend eine “bunt und wild durcheinander” gewürfelte Sammlung von “Skizzen, Etüdenanfängen, Ruinen, einzelnen Adlerfittigen”, die allesamt “mit feiner Perlenschrift” verfaßt seien. Doch statt ins Land kaleidoskopartig gefügter kunstvoller Ausdrucks-Miniaturen führt Ewa Kupiec den Hörer ins schwarze Reich der Depression. Da mag mitunter die Anschlagskultur noch so sensibel sein, die Triller noch so ausgefeilt - die Bedeutungsschwere, die Kupiec allem mitgibt, lastet übermäßig. Die Rubati stöhnen geradezu unter ihren Dehnungen, der Melodiefluß droht zu zerbröseln, das harmonische Gewebe zu statischen Bildern zu gerinnen, und bei mancher Generalpause vor den Schlußakkorden fragt man sich: Kommt da noch was? Das majestätische Marschmotiv in Nr. 9, das Pollini oder auch Argerich mit emphatischer Grandezza erfüllen, schleppt sich bei Ewa Kupiec schwergewichtig dahin. Und wo Pollini oder Argerich auch den sturmumtosten Emotionen noch klare Konturen einmeißeln, ergießt sich bei Kupiec ein Klangbrei. Das baßlastige Klangbild tut da ein übriges.

Christoph Braun, 30.06.1998



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Alterslos: Der junge Violinist Théotime Langlois de Swarte hatte nach seinem Vorspiel für eine Stelle in William Christies berühmten „Les Arts Florissants“ mit Vorurteilen zu kämpfen. Kann ein Violinist, der ebenso brillant Schostakowitsch interpretiert wie barocke Sonaten, der Richtige sein für diese Elitevereinigung von Puristen? Er kann – denn wie Williams im Interview auch zugibt, war er schon beim ersten Spiel gefangen genommen von der spürbaren Leidenschaft de Swartes für die […] mehr »


Top