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Joseph Haydn

Missa in angustiis ("Nelsonmesse")

Margaret Marshall, Carolyn Watkinson, Keith Lewis, Robert Holl, Rundfunkchor Leipzig, Sächsische Staatskapelle Dresden, Neville Marriner

EMI 5 68592 2
(1985) 2 CDs, inkl. Heilig-, Theresien- und Kleine Orgelsolo-Messe

Wer meint, nur Mozarts Requiem hätte düstere d-Moll-Töne in die heile Wiener Klassik-Welt gebracht, der sollte sich die acht Jahre später "in Sorgen und Ängsten" geschriebene Messe Haydns anhören. Ihr Kyrie und Benedictus wie auch das im Pianissimo beginnende Sanctus gehören zu den gelungensten Kompositionen Haydns.
Weniger persönliche Stimmungen als die von Haydn gefürchteten kriegerischen Ereignisse der napoleonischen "Franzosenzeit" haben dem Werk - wie auch der "Paukenmesse" und anderen zeitgenössischen, etwa Salieris "Kriegsmessen" - den Titel gegeben. Und ihren Beinamen verdankt sie dem Umstand, dass im Jahr 1800 der britische Admiral Nelson nach seinem Sieg über die Franzosen (nahe Abukir) auf der Rückreise nach England bei Haydns Brotherrn, dem Fürsten Esterházy, Station machte und hier die zu seinen Ehren aufgeführte Messe besuchte. Im übrigen hat Haydn die Nachricht von Nelsons Sieg während der Konzeption des Benedictus erfahren: sogleich vertrieb er die düster-drohende Kriegsstimmung mit Trompetenfanfaren und jubilierendem Kehraus.
Wie inbrünstig Haydn seinen Gott um Beistand anruft, das vermittelt Neville Marriners sächsische Produktion aufs eindringlichste. Die Renommierensemble aus Leipzig und Dresden zeigen sich von einer dramatisch höchst zupackenden und mustergültig homogenen Seite. Die außergewöhnlich ausladenden Solopartien sind ebenfalls in besten Kehlen, allenfalls Keith Lewis wünscht man weniger vibratoreiche Aufgeregtheit.
Sein Timbre würde gut zu Colin Davis' bayerischer Konkurrenzproduktion passen. Denn dort ist das opernhaft Schwergewichtige Trumpf. Leider auch ein über weite Strecken behäbiges Tempo. An Trevor Pinnocks detailgetreuer Originalklang-Einspielung (Archiv Produktion) stört wiederum der seltsam unbeteiligt wirkende Schönklang des Chores. Aber das ist ja nichts Außergewöhnliches für die technisch perfekten Engländer. Nur dass ihnen dies ausgerechnet bei dieser - ihrer - Nelson-Hommage passieren muss...

Christoph Braun, 01.12.1999



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