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Wolfgang Amadeus Mozart

Sinfonie Nr. 40 g-Moll KV 550

Concertgebouw-Orchester Amsterdam, Nikolaus Harnoncourt

Teldec/Warner Classics 9031-75861-2
(1983) Komponiert: 1788

Im Sommer 1788 schrieb Mozart innerhalb von etwa sechs Wochen fast in einem Zug seine drei letzten Sinfonien nieder, die zugleich als seine bedeutendsten gelten: die Sinfonien Nr. 39, Nr. 40 und Nr. 41. Mozart hat fast nie ohne Aufführungsabsicht oder Auftraggeber komponiert und doch sind genau diese Angaben bei diesen drei gewichtigen Werken unbekannt geblieben. So glaubt man heute, Mozart habe vielleicht eine besonders große Anstrengung unternommen, um sich mit dieser Trias von seinen Geldsorgen zu befreien. Darüber hinaus hat die fast unerklärlich kurze Entstehungszeit den Mythos vom mühelos komponierenden Mozart begründet.
Besonders die Sinfonie g-Moll wurde wegen ihrer schmerzlich-düsteren Grundhaltung gerne als bekenntnishaftes Werk angesehen - als Ausnahme von der Regel, dass sich Mozarts Musik nie mit den Lebensumständen in Verbindung bringen lässt, in der sie entstand. Wie in vielen anderen Fällen auch hat Mozart hier aber nicht aus seinem Leben erzählt, sondern eine künstlerische Strömung seiner Zeit zur Vollendung gebracht: den Sturm und Drang, dessen Ausdrucksgehalt er auch schon in seiner "kleinen" g-Moll-Sinfonie KV 183 in Musik übersetzt hat.
Die kompositorische Bedeutung der Sinfonie Nr. 40 liegt in der dichten Entwicklung des Hauptthemas aus dem Bewegungsimpuls der raunenden Seufzermotive heraus sowie in der raffinierten Behandlung der "frei fallenden" Chromatik im Seitenthema - ein kleiner Vorgeschmack auf die unerhörte harmonische Kühnheit, mit der Mozart das Material dann durch seine Partitur jagt.
Mit der Interpretation Nikolaus Harnoncourts brach Anfang der achtziger Jahre ein neues Zeitalter der Mozart-Deutung an: Hier ist keine rokokohafte Zurückhaltung mehr zu spüren, wie sie sich unter Karajan, Böhm oder Furtwängler eingeschlichen hat. Harnoncourt setzt auf das, was man seit der Barockmusik "Affekt" nennt: Er stellt die Details der Partitur in den Dienst des Ausdrucks. Schon die Gestaltung des pulsierenden Beginns - mit leichtem Crescendo versehen -, die knalligen Einbrüche des ganzen Orchesters, die sich in den Durchführungsteilen zu erbarmungslos dahinrasenden Flächen erweitern, leben vom harschen Kontrastprinzip, wobei der Sprachgestus der Musik immer gewahrt bleibt. Den charakteristischen rhythmischen Partikel des zweiten Satzes hat Wagner als "Engelsflügel" missverstanden. Bei Harnoncourt geht es irdisch zu: Dramaturgisch "drohende" Einwürfe der Hörner und weiträumige Steigerungen geben der Musik ein markantes Profil voller Spannung und Überraschungen - auch für den, der das Werk schon hundertmal gehört hat.

Oliver Buslau, 01.12.1999



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