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Frédéric Chopin

Préludes op. 28, Barcarole op. 60 u.a.

Alain Planès

HMF/Helikon 7 94881 62882 7
(68 Min., 3/2000) 1 CD

Es ist nicht so einfach, eine befriedigende Aufnahme der Préludes zu finden. Je tiefer man in diese feingegliederte Miniaturlandschaft dringt, desto enttäuschter ist man, was den Interpreten dort alles entgeht. Wann endlich hören wir das erste Prélude einmal langsamer und dafür sorgsamer in seine Stimmschichten aufgespalten?
Alain Planès Aufnahme vermag zu gefallen beim ersten Hören. Der Pianist benutzt einen Steinway von 1906 und erzeugt einen runden, sanglichen, allerdings auch etwas pedalverhangenen Klang. Aber wie fast alle (Rubinstein ist eine behutsame Ausnahme) rast er das erste Präludium herunter, das in es-Moll auch. Man wird dessen müde, und andere rasen brillanter. Die Linien der Präludien in H und Fis, die Planès zärtlich abtönen will, weichen im Pedalbad reichlich auf. Wo aber wirklich ein stahlhart zupackender Virtuose gefordert ist, im b-Moll-Präludium, gerät die rasante Figuration der Rechten nicht gleichmäßig, erst recht nicht glanzvoll-beherrscht. Und die Terztriller der Barcarole sind auch ziemlich holprig.
Alain Planès war bis 1981 „Hauspianist“ des von Boulez gegründeten Ensemble Intercontemporain. Erinnert man sich der Schwierigkeiten zeitgenössischer Musik, würde man mehr manuellen Biss erwartet haben. Doch nicht daran liegt es, dass dieses Spiel ein sehr wattig-verschwommenes Gesicht hat. Planès hört Chopin in allzu langen, weichausschwingenden Bögen, unter denen sich so wenig Feinarbeit abspielt, als wären wir in einer flächigeren Liszt-Komposition. Seiner Phrasierung fehlt es an Durchbildung, der Dynamik an Relief, die einer nicht übermäßig verfeinerten Pedaltechnik entgegenwirken würden.

Matthias Kornemann, 22.02.2001



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