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Joseph Haydn

Sinfonien Nr. 44 u. 98

WDR Sinfonieorchester Köln, Ferenc Fricsay

Audite/Edel 95.584
(46 Min., 1952/53) 1 CD

Teils aus Mangel an landeseigenen Sinfonikern, teils weil er den Großteil seiner Schaffenszeit auf ungarischem Boden verbrachte, stand Joseph Haydn bei ungarischen Dirigenten seit jeher hoch im Kurs. Auch der 1963 verstorbene Ferenc Fricsay spielte nicht nur einige Sinfonien des Eisenstädter Meisters auf Schallplatte ein, sondern setzte auch bei Gastauftritten seine Lieblings-Haydnsinfonien aufs Programm. Die Einspielungen beweisen, dass Fricsay seinen Haydn ernsthaft anging: Seine Sache war weder der gelassene Humor eines Thomas Beecham noch die kühnen Zuspitzungen, die beispielsweise Toscaninis 1945 entstandene Einspielung der Sinfonie Nr. 98 noch immer zum verblüffenden Hörerlebnis machen. Fricsay ging es vor allem darum, die optimale Balance zwischen Detail und großer Form zu erreichen und den sinfonischen Diskurs möglichst selbstverständlich zu entwickeln. Die vor drei Jahren wieder veröffentlichten Aufnahmen der Sinfonien Nr. 44, 95 und 98, die Fricsay gegen Mitte der 50er Jahre für die Deutsche Grammophon machte, sind eindrucksvolle Beispiele für dieses klassische, genuin sinfonische Haydnbild. Die beiden kurz zuvor entstandenen Kölner Rundfunkaufnahmen von Nr. 44 und 98, die das kleine Label audite jetzt vorlegt, wirken im Vergleich zu den Berliner Einspielungen allerdings eher wie Probenergebnisse: Klanglich spröder und vom Orchester deutlich schlechter gespielt, zeigen sie, dass auch Fricsay sich sein Haydn-Gleichgewichtsgefühl erst erarbeiten musste: Das organische Fortspinnen von Phrase zu Phrase holpert hier noch gewaltig, und im kanonischen Menuett der "Trauersinfonie" will die Weitergabe der Impulse von Stimme zu Stimme noch nicht funktionieren. Die Berliner Aufnahme liefert nicht nur eine Sinfonie mehr, sondern in Nr. 98 auch die Expositionswiederholung im ersten Satz – wer auf den berühmten Gag des Cembalosolos im Finale wartet, muss allerdings zu einer neueren Einspielung greifen.

Jörg Königsdorf, 16.02.2008



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