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Frédéric Chopin

51 Mazurken

Artur Rubinstein

Naxos historical 8.110656-57
(137 Min., 12/1938, 5/1939) 2 CDs

Hinter Rubinsteins wunderbarer Alterssicht auf die 51 Mazurken sind seine zwei vorangegangenen Gesamteinspielungen fast vergessen worden. Deren erste, 1938/39 entstanden, ist nun zu einem sensationellen Preis zugänglich. Es ist lockend, die drei Serien als Jugend-, Reife- und Altersaufnahme zu etikettieren. Nur war der "jugendliche" Rubinstein 1938 auch schon fast fünfzig.
Der Evolution der Tontechnik, der wir die dreifache Aufnahme ganzer Werkzyklen in Rubinsteins Diskografie verdanken, war er biologisch um gut zwanzig Jahre voraus - wie Rubinstein als ganz junger Mann diese Werke gespielt hat, wissen wir nicht. Aber nicht nur vor dem Hintergrund des vertrauteren Altersstils kann man diese Mazurken-Einspielung als jugendlich ungestüm empfinden. Rubinstein wählt generell wesentlich raschere Tempi. Die herrliche cis-moll-Mazurka op. 50/3, ein kontrapunktisch unerhört kompliziertes Gebilde, ist 1938 fast eine Minute schneller. Wir hören ein ganz anderes Stück als 1965. So begreift Rubinstein die dramatischen Fortschreitungen kurz vor Schluss als Folge geradezu verstörend klingender Aufschreie, während er in der Altersaufnahme diese Ausbrüche beschwichtigend in die Erkundung sonoren Klanges bettete.
Diese erste Fassung lässt verstehen, warum gerade die Mazurken als Chopins technisches Experimentierfeld gelten. Wir hören eine überaus vitale, bewegungsdrängende Musik, deren Brüche und Kühnheiten in hartem, deutlichem Lichte hervortreten.
Ein Wort zum Klang: Während die Aufnahme für die große RCA-Edition so behutsam restauriert wurde, dass ein Gutteil Rauschen erhalten blieb, ist es hier nahezu hinausgefiltert. Diese massive technische Aufbereitung mag einen Teil des dynamischen Spektrums kosten, der samtige, opulente Klavierklang ist allerdings erstaunlich.

Matthias Kornemann, 29.03.2001



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