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N° 1229
27.11. - 03.12.2021

nächste Aktualisierung
am 04.12.2021



Leoš Janáček

Streichquartette Nr. 1 und Nr. 2

Alban Berg Quartett

EMI 5 55457 2
(1993, 1994) DDD



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Leoš Janáček

Streichquartette Nr. 1 und Nr. 2

Hagen Quartett

Deutsche Grammophon 427 669-2
(1988) DDD



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Leoš Janáček

Streichquartette Nr. 1 und Nr. 2

Talich-Quartett

Supraphon/Codaex 01354-2
(1989) DDD



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Um Streichquartette im klassischen Sinn handelt es sich bei Leoš Janáceks Beiträgen zu dieser Gattung nicht. Beide Werke bestehen zwar aus jeweils vier Sätzen, aber Formen wie Sonatensatz, Scherzo oder Rondo lassen sich, wenn überhaupt, nur noch schemenhaft erkennen. Janáceks Streichquartette tendieren mehr in Richtung Programmusik, ohne sich freilich Takt für Takt in Außermusikalisches übersetzen zu lassen.
Dem Ersten Streichquartett liegt als literarisches Thema Tolstois “Kreutzersonate” zugrunde. In dieser “Geschichte einer Ehe” steht ein Gutsbesitzer im Zentrum, der aus Eifersucht seine Gattin getötet hat. Tolstoi verurteilt die Ehebrecherin, Janácek jedoch ergreift für sie Partei. Seine Musik ist voller Mitleid für die gequälte, in der Ehe unglücklich gewordene Frau, ganz so, wie sie es bereits zwei Jahre zuvor in der Oper “Katja Kabanowa” gewesen ist. Das Zweite Streichquartett ist autobiografischen Zuschnitts. “Intime Briefe” hat ihm Janácek als Titel gegeben, ohne mehr darüber zu verraten. Doch die Musik spricht für sich: Sie ist eine einzige leidenschaftliche Liebeserklärung, die der vierundsiebzigjährige Komponist seiner um achtunddreißig Jahre jüngeren Muse Kamila Stösslová machte.
Janáceks Streichquartette fordern den Interpreten nicht nur technisch einiges ab, auch emotional muss die Vierergruppe Farbe bekennen. Auf geradezu atemberaubende Weise gelingt dies dem Alban-Berg-Quartett. Wiener Klangkultur und die Meisterschaft dieses Ensembles, hochexpressive Stimmungen noch in den verborgensten Faltenwürfen der Musik aufzuspüren, sichern dieser Einspielung einen Spitzenplatz. Auf ähnlich hohem Niveau bewegt sich das Hagen-Quartett, das allerdings ganz anders an Janáceks Musik herangeht: Während das Alban-Berg-Quartett Janácek bei seinen romantischen Wurzeln packt, verstehen ihn die Hagens eher als “Zeitgenossen”. Unversöhnt reiben sich hier gegensätzliche Klangwelten aneinander, ohne dass auch nur der Versuch gemacht wird, Brücken zu schlagen. Von den Aufnahmen tschechischer Ensembles gelingt es dem klangschön spielenden Talich-Quartett am besten, in die Tiefe von Janáceks Seele vorzudringen.

Peter Blaha




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