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Frédéric Chopin

Vier Scherzi u.a.

Anna Gourari

Koch/Schwann 3-1430-2
(63 Min., 1/2001) 1 CD

Warum muss eine Pianistin immer gleich mit allen anderen Pianistinnen verglichen werden? Inzwischen gibt’s davon ja reichlich. Dennoch liest man im Beiheft, als „Titanin am Klavier“ erinnere Anna Gourari an die junge Argerich, in ihrer „pianistischen Unbedingtheit“ aber an die alte Clara Haskil! Gegensätze ohnehin beide, denkbar große! Und weil die junge Russin den 1. Internationalen Clara-Schumann-Wettbewerb in Düsseldorf gewann, ist sie gleich auch noch deren „Nachfolgerin“, obwohl nun wahrlich kein Lebender mehr weiß, wie Clara geklungen hat.
Aber das dürfte einfach Unsicherheit sein gegenüber einer Pianistin, deren manuelle Fähigkeiten tatsächlich verblüffen – deren Einsatz selbiger aber bisweilen die Stirne runzeln lässt, deren Werksicht zwar durchaus „eigen“ genannt werden darf, gelegentlich aber am Eigentlichen vorbeizielt. Manches, was Anna Gourari macht, klingt wie in Stein gemeißelt, manches zu beiläufig; für „atmosphärische“ Wirkungen opfert sie mitunter Zusammenhänge, Rhapsodik wird zu Manier. Gerade bei Chopins quasi-improvisatorischer, in Wahrheit exakt kalkulierter Form liegt das Geheimnis im ähnlich exakt kalkulierenden „Schweifen“, zu knappe oder zu ausufernde Phrasen, falsch getimete Rubati und ähnliches gefährden den Bogen, den das idealerweise hat.
Verstehen wir einander nicht falsch: Anna Gourari ist eine fulminant begabte Pianistin; dass ihr Skrjabin als „fast mystisches Klavierspiel“ gerühmt wurde, lässt sich verstehen. Aber wer in Chopin immer ein bisschen zu viel „hineingeheimnist“, löst das wahre Rätsel nie.

Thomas Rübenacker, 17.05.2001



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