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Georg Friedrich Händel

Orgelkonzerte op. 4

Academy of Ancient Music, Richard Egarr

harmonia mundi HMU 807446
(71 Min., 11/2006) 1 CD

Georg Friedrich Händel, der sich in seinen Oratorien ja gerne vom Alten Testament inspirieren ließ, hätte für Richard Egarrs Einspielung seiner Orgelkonzerte vermutlich das Bild von David und Goliath bemüht. Denn gegen die Konkurrenzaufnahmen großer Organisten, die mit prächtigen Barockorgeln auftrumpfen, zieht der Brite nur mit einer kleinen Truhenorgel zu Felde – und gewinnt doch auf ganzer Linie. Mit seiner Aufnahme des Opus vier gibt der Brite den Stücken den Charakter leichtgewichtiger Pausenfüller für die großen Oratorienaufführungen zurück, den sie ursprünglich besaßen: Egarr und seine Academy of Ancient Music spielen die Stücke als barockes easy listening voller aparter Klangreize und verspielter Ornamente. In Egarrs Interpretation sind Stücke wie das zum hauchzarten Klangpastell gedämpfte B-Dur-Konzert der Soundtrack der verfeinerten aristokratischen Society, die gerade die Empfindsamkeit entdeckte. Gegen die opulente Registerpracht, die beispielsweise Altmeisterin Marie-Claire Alain in ihrer Aufnahme mit dem Freiburger Barockorchester aufbietet, setzt Egarr mit dem schlanken, oft blockflötenhaften Ton seiner Kammerorgel auf klare Linien und quecksilbrige Ornamentik. Hinreißend schon der erste Triller, mit dem die Orgel im Larghetto e staccato aus dem Orchester heraustritt wie eine Operndiva aus der Kulisse, unwiderstehlich die graziösen Verzierungen, von denen beispielsweise der Kopfsatz des F-Dur-Konzerts überquillt. Fast unnötig zu sagen, dass die Balance zwischen Soloinstrument und Orchester, die bei den Aufnahmen mit großen Orgeln immer etwas hybrid wirkt, sich hier auf ganz selbstverständliche Weise ergibt.

Jörg Königsdorf, 22.02.2008



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