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Romanus Weichlein

Missa Rectorum Cordium, Zwei Offizien für die Karwoche, Canon über das Post-Hörnl

Ars Antiqua Austria, St. Florianer Sängerknaben, Vokalensemble NOVA, Gunar Letzbor

Symphonia SY 06223
(50 Min., 9/2006) 1 CD

Schon der Komponistenname klingt einnehmend. Das gilt nicht minder für das Schaffen seines 1706 verstorbenen Trägers, der als Mönch am Stift Lambach, am Salzburger Nonnberg und im südtirolischen Säben wirkte. Und das gilt erst recht für die Art, wie seine erst vor drei Jahren von Claudia Gerauer partiturgemäß eingerichtete "Missa Rectorum Cordium" von 1687 nun präsentiert wird: Unter Gunar Letzbors Leitung kommt der "solenne" Charakter dieser sechsstimmigen Messe, die mit je drei Posaunen- und Clarinstimmen stilistisch ihre Nähe zur festlichen Salzburger Hofmusik zeigt, trefflichst zum Ausdruck. Zwar reicht Weichleins Pracht nicht ganz an die überbordendende der "Missa Salisburgensis" seines ungleich berühmteren, zwei Jahre vor ihm verstorbenen Zeitgenossen Biber heran; das schmälert jedoch keineswegs den Genuss dieser Repertoirebereicherung. Zudem das Werk mit einigen individuellen Kunstgriffen aufwartet (etwa die "Trinitäts"-Orientierung des Stimmsatzes, der unsymmetrische "Kyrie"-Aufbau oder der verhaltene "Sanctus"-Beginn); daneben überrascht eine außergewöhnlich plastische, zwischen "con sordino"-Intimität und herrscherlichen Trompeten changierende "Credo"-Ausdeutung. In den mitunter solistisch agierenden, vorzüglich intonierenden St. Florianer Sängerknaben, dem Vokalensemble "Nova" und dem klangfarblich reichhaltigen, einfühlsam stets auf die Sänger hörenden "Ars Antiqua Austria"-Ensemble findet diese verschollene Klosterkunst nach 300 Jahren beste (heimatliche) Fürsprecher. Und in ihrem Leiter zudem einen augenzwinkernden Provokateur, der nicht nur mit ausnehmend langen "Amen"-Ritardandi, sondern auch mit einem mitreißend-kratzbürstigen "Canon über das Post-Hörnl" zum Hinhören zwingt und auf mehr "Weichlein" hoffen lässt.

Christoph Braun, 29.02.2008



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