Responsive image

Helen 12 Trees

Charlie Mariano

Promising/SPV 441042
(39 Min., 5/1976) 1 CD

Mit einem markanten Motiv eröffnet Jan Hammer das Titelstück "Helen 12 Trees" – eine Vorahnung dessen, dass der Tscheche später die Titelmelodie für "Miami Vice" und Dutzende von Filmmusiken schreiben würde. Für das Album "Helen 12 Trees" hatte der in Deutschland lebende Amerikaner Charlie Mariano Topmusiker aus der Jazzrockszene der 1970er versammelt: Hammer, den für seinen Grummelelektrobass bekannten Ex-Cream-Star Jack Bruce und den Rockjazzgeiger Zbigniew Seifert. Zusammen mit dem Schlagzeuger John Marshall und dem Percussionisten Nippy Noya spielen sie sechs Titel mit oft magischen Themen, die gleichzeitig die unterschiedliche Entwicklung des Jazzrock in den USA und Europa verdeutlichen. Während jenseits des Atlantik zunehmend südamerikanische Rhythmen in die Fusion integriert wurden, dominierten in Deutschland der Rock und indische Einflüsse. So bläst Charlie Mariano in "Parvati’s Dance" das südindische Blasinstrument "Nagaswaram", dessen schnarrend-obertonreich changierender Ton auch noch mehr als drei Jahrzehnte nach den Aufnahmen in ungewohnte Klangfelder entführt. Das faszinierende Violinen-Flötenduo "Sleep My Love" von Mariano und Seifert und das Sopransaxofon-Piano-Duo "Charlotte" entführen in eine Atmosphäre intensiver Kommunikation, während "Thorn of a White Rose" Hammers Fähigkeit, Ohrwürmer zu schreiben, erkennen lässt. Die Geigensoli Seiferts in "Neverglade’s Pixie" und "Avoid the Year of the Monkey“ gehen so souverän mit den Themen um, dass deutlich wird, warum viele Musiker den frühen Krebstod des Polen 1979 nicht nur als persönlichen, sondern auch als musikalischen Verlust empfanden.

Werner Stiefele, 14.03.2008



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




Top