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Johann Sebastian Bach

Partiten Nr. 2, 3 u. 4

Murray Perahia

Sony BMG 88697226952

Es gilt, frohe Kunde in die Welt zu tun. Er ist wieder da, der vom Unglück Verfolgte. Nach einer Pause von höre und denke mehr als drei Jahren, in denen er beim Anblick seines verletzten Daumens, der ihn am Spielen hinderte, wohl so manches Mal über die Notwendigkeit des Schicksals sinniert haben mag, hat sich Murray Perahia wieder zurückgemeldet und ist sogleich ins Tonstudio gegangen, um die Gunst des Augenblicks zu nutzen. Und natürlich nahm sich Perahia Bach und Beethoven vor, seine Hausgötter Nummer eins und zwei. Das Ergebnis ist, zunächst was den Bach angeht (der Beethoven folgt später), von betörender Intensität. Perahia spielt die Partiten Numero zwei bis vier in c-Moll, a-Moll und B-Dur, und seine Interpretation ist vor allem getragen von tiefem, zuweilen gar feierlichem Ernst, von einer nachgerade philosophischen Seriosität. Das trumpft nie auf, das will nie schick sein oder extravagant. Perahia erweist sich ganz und gar als Diener zweier Materien, zweier Seins- und Wesenszustände: einmal als Diener des Komponisten, ein weiteres Mal als Diener seiner Idee. Die Tempi sind durchweg moderat bei diesem Unternehmen; der Gewinn der Wiedergaben entsteht durch eine kaum zu überbietende Plastizität der Darstellung, durch diese wunderbare (und wunderbar filigran pedalisierte) Balance aus Gewicht und Leichtigkeit (die gleichwohl nie in die Sphäre des Schwerelosen sich vortastet, davor hat Perahia vermutlich doch zu viel Angst). Unaufdringlich eindringlich, dabei die Affekte bedenkend, ist Perahia zumal in den langsamen Sätzen, in den Sarabandes und Allemandes. Und über welch gestalterisches Vermögen dieser Pianist gebietet, über welche klangliche Vielfalt seine Darbietung, das zeigt sich beredt an der längsten Allemande im Klavierœuvre Bachs, dem Stück aus der D-Dur-Partita. Hier zeigt sich, welch großer Erzähler Perahia ist, über wie viele Valeurs sein Klavierspiel verfügt. Wir hören ihm, nicht nur hier, sehr, sehr gerne zu. Und wünschen uns, er möge nie wieder kritisch seinen Daumen beäugen. Beim Zeus!

Jürgen Otten, 14.03.2008



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