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N° 1259
25.06. - 01.07.2022

nächste Aktualisierung
am 02.07.2022



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Joseph Martin Kraus

Violinkonzert C-Dur, Olympie: Schauspielmusik, Azire: Ballettmusik

Takako Nishizaki, New Zealand Symphony Orchestra, Uwe Grodd

Naxos 8.570334
(59 Min., 9/2006) 1 CD

Die umfassende Werkschau, die Naxos Joseph Martin Kraus (1756-1792) widmet, schreitet voran – und wieder einmal nötigt sie dem enthusiastischen Anhänger dieses genialen Fast-Lebensdatenvetter von Mozart allenfalls als ein ohne Glänzen in den Augen gesprochenes "verdienstvoll" ab. Schwachpunkt dieser Aufnahme ist ausgerechnet das Hauptwerk: Kraus' 30-minütiges großes Violinkonzert, das hier zwar ungekürzt gegeben, aber in seiner Substanz keineswegs zum ersten Mal präsentiert wird. Die Solistin Takako Nishizaki setzt ihren warmsilbrigen Ton in allen Lagen gut in Szene, wobei die Homogenität des Klanges bei Lagenwechseln ein wenig leidet. Was der universell interessierten Geigerin aber vor allem fehlt, ist Sinn für Rhetorik – ein wirklich großes Manko bei einem derart deutlich von der Sprache kommenden und in ihr denkenden Komponisten wie Kraus. Bietet sich der langsame Mittelsatz noch zum Aussingen an, muss sich die Solistin in den Ecksätzen auf Melodieinseln retten, die in einem öden Eismeer von unzusammenhängenden Motivschollen treiben. Auch das Orchester, bei dem die Holzbläser unnatürlich herausstechen, musiziert arg konventionell. Mit der ebenfalls auf modernen Instrumenten präsentierten Interpretation des Konzerts durch Edith Peinemann und das Stuttgarter Kammerorchesters kann sich diese Aufnahme nicht messen. Für Krauskenner ist immerhin noch die an Gluck gemahnende Schauspielmusik zum Drama "Olympie" interessant, wobei der gewichtige Eröffnungssatz im Grunde wie eine Ouvertürenfassung von Kraus' bekanntestem Werk, seiner Haydn gewidmeten c-Moll-Sinfonie wirkt. Ein Resteessen für Kenner bieten auch die knapp acht Minuten Ballettmusik zu Kraus' verschollener Oper "Azire": Hierbei handelt es sich um wohlgeformte, aber trotz des auch hier spürbaren Personalstils letztlich unspektakuläre Tänze, die nichts von dem düsteren nordischen Sujet seines Jugenddramas verraten.

Carsten Niemann, 14.03.2008



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Eva Jagun stammt aus einer Kölner Musikerfamilie und lernte zunächst Geige, Flöte, Gitarre und Klavier. Ihre ersten Erfahrungen sammelte sie in diversen Chören und Bands, später studierte sie in Hamburg Musik, seit einigen Jahren lebt sie in Berlin. Dort arbeitet sie als Sängerin wie auch als Geigerin im Studio und auf der Bühne mit einer Vielzahl von Künstlern zusammen, unter anderen mit Nina Hagen oder Dieter Hallervorden. Wichtige Impulse erhielt sie vom kanadischen Jazzbassisten […] mehr


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