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Frédéric Chopin, Niels Wilhelm Gade

Klaviertrio g-Moll op. 8, Klaviertrio F-Dur op. 42

Abegg Trio

Tacet 112
(77 Min., 2001) 1 CD

Selbst manchen Chopin-Liebhaber könnte man mit dem Hinweis auf das g-Moll-Klaviertrio verwirren. Welches Trio? Seltsamerweise hat Chopin nach diesem Werk seiner Warschauer Studienzeit (1828) kein Kammermusikwerk mehr komponiert, um erst mit seiner allerletzten großen Komposition, der Cellosonate, noch einmal zurückzukehren, so als solle man diesen Rückblick als große g-Moll-Klammer um sein Werk begreifen. Beim Trio liegt es sehr in der Hand der Interpreten, wieviel "richtigen" Chopin man heraushören will. Noch sind die Elemente, aus denen sich sein unverwechselbarer Stil zusammensetzen wird, nicht ganz verschmolzen. Dieses changieren zwischen Einfluss und Vision des reifen Stils und machen indes auch den Reiz des Werkes aus.
Das Abegg Trio entscheidet sich für den Rückblick und zelebriert den Scherzo-Mittelteil als unübertrefflich müden Schubertschen Ländler. Doch wieviel Ensemble-Kultur sich da auch offenbaren mag, in diesen Wiener Septembernebeln, die sich wehmütig über das ganze Werk auszubreiten scheinen, verflüchtigt sich auch alle Vitalität. Pack doch einmal zu, möchte man dem Pianisten verzweifelt zurufen. Da steht doch "forte, risoluto".
Mit gedämpfter Mezzopiano-Grazie wird gleich der gezackten Anfangsgeste ihre aufbegehrende Energie entzogen. Dabei ist diese Unisono-Figur ein zukunftsweisender Chopin-Topos, wenig später wird aus diesem Material das neobarock improvisierende, blitzschlagartige f-moll-Prélude herauswachsen. Beim Abegg Trio klingt der ganze Kopfsatz so gedeckt, so hauchend, wie Chopin angeblich gespielt hat. Viel später. Gewiss darf man das Werk so hören, aber man entzieht ihm sein Bestes, den konzertanten, jugendlichen Glanz des Klaviersatzes.
Demütig zieht sich der Pianist auch im Adagio zurück und überlässt den Streichern ein dürftiges Feld, als würde dies Belcanto-geprägte Nocturne der Piano-Primadonna nicht fast allein gehören. Matt markiert sie ihre Koloraturen, gespenstisch auch rieselt das folkloristische Finale vorüber. All das gleicht eher einem müden Ausklang als dem Aufbruch zu einem der individuellsten Stile der Musikgeschichte. So kann klanglich berückende Ensemblekultur eine etwas unausgegorene Jugendlichkeit ersticken.

Matthias Kornemann, 28.03.2002



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