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N° 1260
02. - 08.07.2022

nächste Aktualisierung
am 09.07.2022



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Antonio Vivaldi

Trio-Sonaten op. 1

Enrico Gatti, Rossella Croce, Judith-Maria Becker, Monica Pustilnik, Guido Morini

Glossa/Note 1 921203
(99 Min., 10/2006) 2 CDs

In seinem Booklettext zur Gesamtaufnahme der zwölf Triosonaten op. 1 mahnt der Vivaldiexperte Michael Talbot einen Interpretationsstil an, der sich von den "kultivierten Aufführungen der 1960er Jahre" abzusetzen habe. Roher müsse er jetzt sein. Dementsprechend wären für Talbot vielleicht die Repräsentanten eines schnittigen und kantigen Vivaldibildes à la Giuliano Carmignola die idealeren Musiker gewesen. Für den Konsumenten kommt es hingegen einem Glücksfall gleich, dass mit Enrico Gatti ein Alte-Musik-Spezialist im Zentrum dieser Aufnahme steht, dessen Barockgeige und überhaupt dessen Spiel aus einem ganz anderen Holz geschnitzt sind. Mit seinen Kombattanten hat Gatti es schließlich geschafft, Vivaldis vielleicht frühesten Werke aus dem Jahr 1705 nicht nur in ihrer ganzen Bandbreite zu erfassen. Es kommt einer Rehabilitation der oftmals als zu schematisch verspotteten Triosonate gleich.
Vivaldi hat zwar auch die traditionelle Abfolge der "Suonate da camera a tre" beherzigt, und es folgen in den drei- bis fünfsätzigen Sonaten auf das frei gestaltete Preludio die entsprechenden Tanzsätze. Doch trotz des vorgegebenen Schnittmusters sowie der fast unverzichtbaren Variationen des damaligen "Follia"-Schlagers gleicht keine Sonate der anderen. Und erst recht schlägt einem jetzt ein Erfindungsreichtum in den Farben, Effekten und in der Beweglichkeit entgegen, den man bislang so nur erahnt hatte. Bei aller Transparenz und Kontrolliertheit, was die Bogenführung von Gatti und seiner Kollegin Rossella Croce angeht, weist das Quintett genau jene Musiziertugenden auf, die sogar aus jedem einzelnen Satz entweder eine Kostbarkeit oder ein Vergnügen machen. Da wechselt sich Entspanntheit mit Zugkraft ab, wird man von Milde und Zärtlichkeit genauso umgarnt, wie man von den spieltechnisch exzellenten, aber eben nie exzessiv dargestellten Spannungsbögen weniger gepackt als vielmehr an die Hand genommen wird. Von Rohheit – keine Spur. Und das ist mehr als gut so.

Guido Fischer, 11.04.2008



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