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Jean Sibelius

The Sibelius Edition Vol. 1: Sämtliche Tondichtungen

Lahti Sinfonieorchester, Osmo Vänskä, Helena Juntunen, Göteborger Sinfoniker, Neeme Järvi

BIS Records/Klassik Center BIS-CD-1900
(390 Min., 1986-2007) 5 CDs

Jubiläen, auch runde Todestage, bringen mitunter den Vorteil von Gesamtaufnahmen, die abseits des Gängigen den Blick auf kaum oder gar nicht Bekanntes lenken. Die vom schwedischen BIS-Labels im September des letzten Herbsts zum 50. Todestag des Komponisten begonnene 13-teilige Edition aller Sibeliuswerke ist dafür ein sorgfältigst gearbeitetes Beispiel. Naturgemäß kann die erste Box mit den Tondichtungen, bei denen sich der skandinavische Großmeister nahezu durchweg vom finnischen Nationalepos, der "Kalevala", inspirieren ließ, nicht nur "Neues" bieten: dafür sind Werke wie "En saga" oder "Tapiola" – um nur die zwei chronologischen Eckpunkte zu nennen –, ganz zu schweigen von der „Finlandia“-Nationalhymne, zu bekannt (und inzwischen, nach längerer, nicht zuletzt von Adornos pro-atonalen Vorurteilen geschürter Sibelius-Aversion bekanntlich auch auf dem europäischen Festland hoch geachtet). Neu ist die Zusammenstellung aller Versionen, so dass ein detaillierter Blick in Sibelius‘ Werkstatt möglich ist und der "work in progress"-Charakter gerade der bekanntesten Kompositionen nachvollziehbar wird. Das gilt beispielsweise für jenes dunkel timbrierte "En saga" von 1892, das schlechte Kritiken erhielt und von Sibelius zehn Jahre später anlässlich eines Berliner Gastdirigats in der Durchführung sowie dem Tempo- und Tonartenplan stark gestrafft wurde. So entstand eine in sich geschlossenere Zweitfassung, bei der allerdings viel "Kolorit" der ersteren über Bord ging. Analoges gilt für die viersätzige Lemminkäinen-Suite, die Sibelius gleich dreifach einer Revision unterzog, wobei die Legende von der Rückkehr Lemminkäinens (des finnischen "Siegfried") in der letzten Fassung auf die Hälfte der Dauer gekürzt wurde. Das Lahti-Sinfonieorchester unter Osmo Vänskä braucht sich in seiner höchst engagierten Lesart vor den namhafteren Sibeliusexegeten wie Neeme Järvis Göteborgs Sinfonikern (die hier nur die "Scènes historiques" einspielten) oder Esa-Pekka Salonens Los-Angeles-Aufnahmen nicht zu verstecken. Allerdings missrieten einige Aufnahmen tontechnisch, da die Geigen mitunter unter einer Glasglocke zu agieren scheinen.

Christoph Braun, 11.04.2008



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