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Frédéric Chopin

Werke für Klavier

Piotr Anderszewski

Virgin/EMI 545 619-2
(60 Min., 6/2003) 1 CD

Die Konstellation könnte günstiger kaum sein: Polnischer Pianist (mit ungarischer Mutter) spielt Werke eines polnischen Komponisten (mit französischem Vater): Piotr Anderszewski, von seinem Künstlernaturell her durchaus jemand, den das 19. Jahrhundert an seinen Busen gedrückt hätte, interpretiert Balladen, Polonaisen und Mazurken seines Landsmannes Frédéric Chopin. Die erste Begegnung der Beiden - ein Glücksfall? Oh ja. Und was für einer. Seit den Tagen eines Jozéf Hofmann (übrigens Anderszewskis einzig anerkanntes vollgültiges Vorbild) musste man warten, bis wieder jemand in Erscheinung trat, der die Musik Chopins mit einem derart grandiosen Atem ausstattet, der sie als eine glühende Liaison zwischen Rhythmus und Melodie ausdeutet, sprich: der die Stücke so spielt, als seien sie gerade der (improvisierenden) Schöpferhand Chopins entsprungen.
Allein die Mazurken (op. 59, op.63, op. 64,4) lassen den Hörer sprachlos-begeistert in den Sessel sinken. Getanzte, sich wiegende, bisweilen ziellos durch den Raum torkelnde Träumereien, Nachstücke wie herausgelöst aus dem Urgrund des polnischen Volksliedes (dem sie entstammen), an die Oberfläche gespült: engelsgleiche Erfindungen, die beinahe einen ganzen Kosmos der Verzückung abbilden. Vom gleichen Kaliber die Balladen in As-Dur und f-Moll - aber nur in den kantablen Momenten. Dagegen wirft sich schicksalhaft die Verzweiflung, der Furor: Drama pur. Selbiges gilt dann auch für die beiden Polonaisen (op. 44, op. 53). Zumal Letztere entfacht einen Sturm der Leidenschaften, der ihrem Titel mehr als gerecht wird: "Polonaise héroique". Eines steht nunmehr fest: Piotr Anderszewski muss kein Antragsformular für den Tastenolymp mehr ausfüllen. Die Tür steht ihm offen.

Jürgen Otten, 08.11.2003



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