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N° 1229
27.11. - 03.12.2021

nächste Aktualisierung
am 04.12.2021



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Gustav Mahler

Sinfonie Nr. 2

Diana Damrau, Petra Lang, Staatskapelle Berlin, Chor der Staatsoper Berlin, Pierre Boulez

EuroArts/Naxos 2054418
(89 Min., 3/2005) 1 DVD

Mahlerzyklen haben in Berlin Tradition. Doch im Gegensatz zu früheren Mahlerfesten, bei denen gleich mehrere Orchester gefordert wurden, schulterte 2007 die Staatskapelle Berlin ganz allein alle neun vollendeten Sinfonien von Gustav Mahler. Die zweite Besonderheit bei diesem Konzertmarathon war zudem, dass sich jetzt am Pult nicht nur Chefdirigent Daniel Barenboim mit dem langjährigen Künstlerfreund Pierre Boulez abwechselte. Boulez kehrte wieder zu jenem Orchester zurück, das ihn zwei Jahre zuvor zum Ehrendirigenten auf Lebenszeit ernannt hatte. In der Berliner Philharmonie hatte diese Inauguration stattgefunden. Im großen Rahmen und während der konzertanten Feierlichkeiten von Boulez’ 80. Geburtstag. Erfreut lächelnd nahm damals der Geehrte, wie der DVD-Mitschnitt des Abends nun dokumentiert, die Auszeichnung mit der knappsten aller Dankesreden, mit den drei Worten "Ich bin sprachlos" entgegen. Der anschließende Jubel fiel umso ausführlicher aus. Angesichts einer Künstlerpersönlichkeit, die schon immer jedweden Glamour verabscheut und stattdessen stoisch ihr überwältigendes Qualitätsbewusstsein zur Diskussion gestellt hatte. Entlang der klassischen Moderne bis zur druckfrischen Neue-Musik-Partitur – und natürlich entlang der Mahlerschöpfungen, mit denen sich Boulez seit bereits über 40 Jahren beschäftigt. Umso erstaunter ist man rückblickend, dass die Staatskapelle Berlin tatsächlich das erste deutsche Spitzenorchester gewesen ist, bei dem Boulez Mahler dirigierte.
Die Aufführung von Mahlers zweiter Sinfonie im März 2005 rechtfertigte jedenfalls den weisen Entschluss der Staatskapelle, Boulez in die hauseigene Ahnengalerie der Komponistendirigenten wie Mendelssohn, Wagner und Strauss aufzunehmen. Denn selbst so einen sinfonischen Koloss, der von christlichen und pantheistischen Glaubensbekenntnissen durchdrungen ist und im Finale kein Halten mehr kennt, kann Boulez bis in komplexeste Verflechtungen hinein durchhörbar machen. Fernab jeder Altersweisheit bewältigte der scheinbar ewig junge Pierre Boulez auch diese Aufgabe mit dem analytischen Feingefühl für Struktur und Klangtransparenz, das schon immer sein gesamtes Klangdenken und seine künstlerische Integrität ausmachte.

Guido Fischer, 18.04.2008



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