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Frédéric Chopin, Maurice Ravel, Camille Saint-Saëns, Alexander Glasunow u.a.

Welte-Mignon Klavierrollen

Ignacy Jan Paderewski, Egon Petri, Vladimir Horowitz, Walter Gieseking u.a.

Naxos Historical 8.11 06 77
(68 Min., 1905 - 1927, 8/2000) 1 CD

Das Welte-Mignon-System, das 1904 zur Marktreife gelangte, ist ein mechanisches und Technik-geschichtliches Faszinosum. Der tatsächliche Markt für das aufwändige Welte-Mignon-Klavier, das es zum ersten Mal ermöglichte, nicht nur Tonhöhen und Dauern, sondern auch eine beeindruckende Bandbreite an Dynamik auf Papierrollen zu speichern und wiederzugeben, war jedoch recht begrenzt - wer konnte sich schon einen Flügel ins Heim stellen, der um ein Vielfaches teurer war als gewöhnliche Modelle? Die Schallplatte war als Konkurrenz für aufgezeichnete Musik letztlich unschlagbar billiger und flexibler. Dennoch ist es dem Hersteller gelungen, viele bedeutende Pianisten zu bewegen, sich auf dem mechanischen Klavier zu verewigen.
Bei aller erreichten Authentizität: Die Welte-Mignon-Aufnahmen klingen keineswegs so, wie wenn heute ein Pianist ins Studio geht und auf einem Standard-Steinway spielt. Aber das wäre ja auch langweilig. Die Mechanik rumpelt etwas im Hintergrund, der Flügel klingt historisch und - nun ja, immer entdeckt man rhythmische Ungenauigkeiten, Hundertstelsekunden nur, die manchmal ein Rubato sein können, manchmal wie ein leichtes Holpern im Tempo wirken und bei denen man nie genau sagen kann, ob es der Pianist einmal so gespielt hat oder ob es auf die Unzulänglichkeiten des elektromechanischen Apparats zurückzuführen sind. Trotzdem: Einmal Camille Saint-Saëns beim Spiel eigener Werke zu lauschen, den frühen, rasenden Horowitz oder Josef Hofmann mit Chopins Polonaise Fis-Dur Op. 44, ist hier zumindest in ungeahnter klanglicher Brillanz möglich.
Die Auswahl der damals eingespielten Stücke ist etwas gewöhnungsbedürftig für heutige Vorstellungen - um nicht von Wünschen zu sprechen. Josef Lhevine etwa wartet mit einer überzuckerten Bearbeitung der "Blauen Donau" auf, Hans Haass mit einer Rameau-Bearbeitung zweifelhaften Gehalts. Dafür ist Walter Gieseking mit "Ondine" aus Ravels "Gaspard de la nuit" vertreten, gewiss ein musikalisches Highlight dieser CD. Ein zweites "Volume" dieser Welte-Mignon Edition ist übrigens soeben erschienen.

Matthias Reisner, 17.01.2004



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