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Frédéric Chopin

Sonate Nr. 3, Vier Impromptus, Berceuse

Nikita Magaloff

Decca/Universal 475 6157
(51 Min., 11/1954) 1 CD

Der Zweite Weltkrieg hatte einerseits die Einführung der Tonbandtechnik in die Aufnahmestudios verzögert, andererseits ermöglichten Erkenntnisse aus der Sonar-Forschung zur Ortung von U-Booten nach Beendung des Krieges eine bis dahin nicht gekannte Erweiterung des Frequenzspektrums bei der elektrischen Aufnahme. Die englische Decca war hierbei Pionier und brachte LPs mit "ffrr" heraus, "full frequency range recording". Mit den damals üblichen Heimgeräten dürfte man davon kaum etwas davon gehabt haben, umso erfreulicher ist die Klangqualität heute von der CD. Decca bringt fast 50 Jahre danach eine ganze Reihe von wertvolle Aufnahmen wieder heraus, auch die Cover werden einfach von früher übernommen.
Nikita Magaloff ist heute leider etwas in Vergessenheit geraten. Der als Chopin-Spezialist geltende Komponist und Pianist wurde 1912 in St. Petersburg geboren, studierte u. a. bei Prokofjew und ließ sich später in der Schweiz nieder, wo er 1992 starb. Das 1955 aufgenommene Recital zeigt ihn als Interpreten von elegantem Stil, rhythmisch gerade in der Sonate von einer gewissen Strenge, die dem Werk sehr gut tut. Was man als Nachteil empfinden mag: Magaloff spielte meist sehr melodiebetont, was die subtile Polyphonie in Chopins Werk in den Hintergrund stellt - man muss sich als Hörer schon selbst bequemen, diese nachzuvollziehen.
Vom kraftvollen Finale der Sonate hinüber zum spielerisch-leichten Impromptu Nr. 1 in As-Dur: Das Stück klingt nuancenreich, ausgereift und tief empfunden. Magaloff bringt hin und wieder kleine Akzente, die deutlich machen, wie viel trotz x-mal gehörter, zahlreicher Interpretationen in den manchmal als "leicht" empfundenen Charakterstücken Chopins steckt, und schreckt auch vor Dissonanzen (im 2. Impromptu) nicht zurück. Eine lohnende Wiederentdeckung.

Matthias Reisner, 04.12.2004



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