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Joseph Haydn

Die sieben letzten Worte des Erlösers am Kreuze op. 51

Klenke Quartett

Berlin Classics/Edel 0016312BC
(73 Min., 5/2006) 1 CD

Joseph Haydns Musikalisierung eines Kreuzgangs am Karfreitag, "Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze", ist eines der heikelsten Stücke für Streichquartett: Sieben langsame Trauersätze mit einer passenden Einleitung, deren wenig kontrastreiche Klangcharaktere sich dennoch deutlich voneinander abheben sollen, bevor das finale "terremoto" (Erdbeben) Spieler wie Hörer "erlöst". In der Orchesterfassung auf Bestellung des Domherrn von Cádiz war das noch ganz Meditationsmusik, ich zitiere Ludwig Finscher: „Jedes der sieben Worte wurde vom Bischof von der Kanzel verlesen und ausgelegt, dann kniete der Bischof im stillen Gebet vor dem Altar, und dazu erklang die entsprechende ‚Sonate’“. Bei der Streichquartettversion fürs Konzert entfällt derlei meditative Versenkung natürlich – es muss also mehr geboten werden, und anderes.
Das packen die vier wackeren Musikerinnen aus Weimar nicht ganz. Allzu oft wird Intensität einem "runden" Schönklang geopfert, der zwar Haydns Kompositionsfinessen gut ausleuchtet, aber der unterschiedlichen Emotion dieser langsamen Sätze kaum Ausdruck gibt. Es wird "klassisches" Streichquartett praktiziert, schön, aber letztlich langweilig. Der Komponist Wolfgang Rihm hat mal gesagt, dass in Beethovens "Großer Fuge" das Kolophonium der Bögen spritzen müsse. Ganz so weit geht es in den "Sieben letzten Worten" natürlich nicht, aber emotional sind sie durchaus ein Vorläufer Beethovens. Mit "gepflegtem" Quartettspiel ist es hier so wenig getan wie dort – andere Quartettformationen, etwa das Guarneri oder das Alban Berg, haben es uns gezeigt. Jesu’ letzte Worte sind nun mal keine wohlformulierten Ansprachen an die Menschheit, sondern oft genug Aufschreie.

Thomas Rübenacker, 02.05.2008



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