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Antonio Vivaldi

Atenaide RV 702-B

Sandrine Piau, Vivica Genaux, Nathalie Stutzmann, Paul Agnew, Stefano Ferrari u.a., Modo Antiquo, Federico Maria Sardelli

Opus 111/Harmonia Mundi OPS 30-438
(220 Min., 4/2007) 3 CDs

Die Welt ist ungerecht: Antonio Vivaldi gilt keinesfalls als der beste Opernkomponist seiner Zeit, dennoch wird er durch die Gesamteinspielung seiner autograf erhaltenen Opern mit einer Werkschau bedacht, wie sie in dieser Qualität und diesem Umfang noch keinem seiner Zeitgenossen zuteil geworden ist. Ein Fehler ist das Projekt dennoch nicht: Gerade weil der typische "Vivaldi-Sound" mit seinen wiederkehrenden Floskeln jedem Hörer so vertraut erscheint, kann die Individualität der Interpreten wie auch der einzelnen Opern umso stärker zum Vorschein treten. Zumal dann, wenn auch die musikalischen Leiter typgerecht gecastet sind: Während etwa Jean-Christoph Spinosi mit seinem zugespitzt dramatischen Zugriff die Provokationen im Libretto der "Griselda" hervorragend herausarbeitete, ist Federico Maria Sardelli der richtige Mann für Atenaide. Das Politdrama beruht auf einer historischen Episode aus dem alten Byzanz, die Opernreformer Zeno in ein geistreiches, erfrischend rationalistisches, wenn auch etwas längliches Libretto gegossen hat. Sardelli gelingt es besonders in seiner feurigen, dabei aber nie forcierten und immer durchsichtigen Gestaltung der Orchesterpartie, diese rationalistische, "klassische" Klarheit mit echter Italianità zu verbinden. Auch die Wahl der Sänger ist exquisit: Vivica Genaux gestaltet die Partie des Kaisers Teodosio mit glasklarer Diktion, umwerfender Geläufigkeit und einem rollengerecht charakteristischen, silbrigen Timbre. Eine würdige Gegenspielerin ist die ebenfalls koloraturfest und nuancenreich interpretierende Sandrine Piau. Unter den Frauen fällt nur die in der Höhe leicht forcierende und im Rezitativ zu stark vibrierende Altistin Nathalie Stutzmann etwas ab, ist aber als General Marziano dennoch dramatisch glaubwürdig. Was die beiden Tenorpartien betrifft, zeichnet sich Paul Agnew durch kluge Deklamation aus, während Stefano Ferrari mit seinen ebenso kernigen wie virtuos hingelegten Koloraturen mit der Primadonna in einen edlen Wettstreit zu treten scheint.

Carsten Niemann, 02.05.2008



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