"Eins meiner größten Ziele, als ich zu komponieren begann, war, eine Oper zu schreiben" bekannte Antonín Dvořák 1885. Es gibt mehr Früchte dieser Opernleidenschaft als man denkt, auch wenn sich heute nur die ausgesprochenen Spätwerke Rusalka und Armida öfter auf den internationalen Spielplänen finden. Die 1874 uraufgeführte Oper Král a Uhlíř ("König und Köhler") wird dagegen auch nach dieser handwerklich tadellos gearbeiteten Live-Einspielung ein seltener Gast auf der Bühne bleiben. An charakteristischen lyrischen Einfällen und farbenreicher Orchestrierungskunst lässt das Werk (dem ersten zu seinen Lebzeiten aufgeführten Musikdrama Dvořáks) zwar keinerlei Wünsche offen. Doch die biedere Komik, und die eher lyrisch als dramatisch erfundene Handlung des Librettos stellten schon dem Komponisten ein Bein. Natürlich ist es dem Melodiker Dvořák zu verzeihen, dass er es fast nie übers Herz brachte, seine Figuren sich gegenseitig ins Wort fallen zu lassen. Doch genau das müsste passieren, um dem Aufenthalt des unerkannt in einer Köhlerhütte weilenden böhmischen Königs Würze zu verleihen und den kleinen Eifersuchtsszenen, die er auslöst, ihre Biederkeit auszutreiben. Die Chance, Konflikte wie die allzu unschuldig wirkende Liebe des alternden Königs zu der jungen Köhlerstochter zuzuspitzen und den Spielopernfiguren durch weniger konventionelle Diktion und feinere emotionale Schattierungen psychologische Tiefenschärfe zu verleihen, verpassen Albrecht und seine stimmlich überzeugenden Interpreten. Mehr als unverbindlich-angenehme Unterhaltung in Dvořáks bewährten böhmischen Ton kann ihr Historiengemälde daher nicht bieten.

Carsten Niemann, 16.05.2008



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