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Franz Liszt

Mazeppa

Patrick Scheyder

Alpha/Note 1 ALP119
(59 Min., 8/2006, 2/2007) 1 CD

Der moderne Konzertflügel verdankt seine Entstehung vor allem Franz Liszt: Weil der Virtuosenkönig in seinen Konzerten regelmäßig seine Fortepiani zerdepperte, erfanden die Klavierbauer bruchsichere Instrumente mit stählernem Rahmen. Verloren gingen dabei sowohl spezifische Klangfarben und Kräfteverhältnisse zwischen den Registern wie auch die Extremerfahrung eines bis zum Äußersten geforderten Flügels. Der wesentliche Erkenntnisgewinn bei Patrick Scheyders Liszteinspielung auf einem Pleyelflügel von 1846 liegt denn auch nicht in der Interpretation oder gar in atemberaubender Virtuosität, sondern vor allem in diesen klanglichen Rahmenbedingungen. Wenn Scheyder in den "Funérailles" oder der "Mazeppa"-Etüde auf seinen zarttönigen Hammerflügel eindrischt, gewinnt die Musik eine physische Brutalität, die im Diskant aufleuchtenden Heilsversprechen bekommen dagegen eine hysterisch flackernde, hysterische Note – romantische Ekstase an der Schwelle zur Transzendenz. Auch die hackbrettartigen Klänge des Hammerflügels sind ein koloristischer Gewinn und schaffen gerade bei "Mazeppa" eine folkloristisch-slawische Atmosphäre. Dennoch ist die Aufnahme eher lehrreich als ein echter Hörgenuss: In den zarteren Nummern wie den "Liebesträumen" oder Liszts Transkriptionen von Chopinliedern hält sich Scheyders Legatokunst doch in engen Grenzen, in den breit genommenen transzendentalen Etüden gerät er deutlich an technische Grenzen. Aber wer perfekt gespielte Lisztetüden hören will, greift ohnehin besser zu Lazar Berman.

Jörg Königsdorf, 06.06.2008



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