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Arnold Schönberg, Jean Sibelius

Violinkonzerte

Hilary Hahn, Schwedisches Radio-Sinfonieorchester, Esa-Pekka Salonen

DG/Universal 477 7346
(63 Min., 3/2007, 9/2007) 1 CD

Ausgerechnet Schönberg und Sibelius! Unser seliger "Teddy" W. Adorno krümmt sich im Grabe, sieht er seinen bewunderten Meister der zeitgemäß-avantgardistischen Materialgestaltung nun von Hilary Hahn mit jenem Zeitgenossen auf CD vereint, dem er 1957, in dessen Todesjahr, bitterböse attestierte, im schwedischen "Krähwinkel noch nicht gehört" zu haben, "was mit der Tonalität geschah", so dass, "was er schreibt, nicht integer, sondern brüchig und unstimmig in allen Elementen" ist. Umso begeisterter wäre Adorno sicherlich gewesen über die Art, wie die 29-jährige Ausnahmekünstlerin das Violinkonzert seines Idols zum Sprechen, ja zum Singen bringt – obwohl dieses "gefällige" Attribut so gar nicht zu dem horrend schwierigen und mitunter expressionistisch-hart klingenden Opus 36 zu passen scheint. Der Nimbus des Unspielbaren, dem ausgerechnet Heifetz, der Unfehlbare, Nahrung gab, als er das Uraufführungsangebot 1940 wegen technischer Probleme ablehnte, – diesen Nimbus lässt Hahn auf grandiose Weise obsolet werden. Denn die Doppelflageoletts, die Akkordkaskaden in extremen Höhen und rasanten Tempi, die halsbrecherischen Intervallsprünge – all diese schauderhaft schwierigen Schikanen stellt Hahn geradezu unmerklich in den Dienst ihrer mal elegischen, mal fiebrigen, mal zerbrechlichen, mal kapriziös-witzigen, in jedem Falle leidenschaftlichen Ausdruckskunst. Da auch die Abstimmung mit Salonens minutiös einstudiertem, klanglich höchst differenziertem und rhythmisch vertracktem Orchesterpart perfekt geraten und tontechnisch hervorragend eingefangen ist, kann man getrost von einer neuen Referenzeinspielung sprechen. Sie lässt den Vorwurf, Schönberg habe nur spröde, hässliche Gehirnakrobatik betrieben, als faules Vorurteil verstummen, mehr noch: derart präsentiert, stiehlt der "schwierige" Avantgardist, um es ganz unadornitisch zu sagen, dem skandinavischen Nochimmer-Tonalen geradezu die Schau! Daran ändert auch nichts die uneingeschränkte Bewunderung für Hahns "optimistisch"-hellen Sibeliuston und ihre wahrhaft hinreißende: gestochen scharfe Brillanz, in der ihr zurzeit keine Kollegin das Wasser reichen kann. Bravissimo!

Christoph Braun, 06.06.2008



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