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Johannes Brahms, Robert Schumann

Klavierquintette

Artemis Quartett, Leif Ove Andsnes

Virgin Classics/EMI 395 143-2
(68 Min., 12/2006) 1 CD

Es gibt sie noch, auch für den beruflich zum Kritisieren Verpflichteten: Die CD, die einfach nur glücklich macht. Was im vorliegenden Fall schon große Vorfreude verursacht, ist das Zusammenkommen eines ungeheuer reizvollen Programms – Schumanns und Brahms’ Klavierquintette zählen zweifellos zu den Höhepunkten ihrer Gattung – mit einer Interpretenformation, wie man sie sich vorteilhafter kaum wünschen könnte: Das Artemis-Quartett ist eines der brillantesten Streichquartette unserer Tage, und die Allianz mit dem Pianisten Leif Ove Andsnes beflügelt die Leistungen aller Beteiligten noch merklich.
Und wie immer, wenn es gar nichts zu kritisieren gibt, befällt den Kritiker eine merkwürdige Lähmung: Wie beschreibt man das Großartige, ohne Phrasen zu dreschen oder rührselig zu werden? Lobt man den stupend homogenen und gleichzeitig doch auch schlanken, transparenten Klang des gesamten Ensembles, oder schwärmt man von der begeisternden lyrischen Potenz und Klangschönheit der allfälligen Solokantilenen der einzelnen Musiker, von der Differenziertheit des Ausdrucks, sich ergebend aus der Fähigkeit des Ensembles, sich in Sekundenbruchteilen stets vollkommen auf neue Stimmungen und Emotionen einzustellen, wie sie die Musik oft in atemberaubend raschem Wechsel evoziert? Erstere Qualitäten – Klangschönheit und Homogenität – sollte man von einem Spitzenensemble erwarten dürfen; mit letzteren Aspekten kommen wir den besonderen Vorzügen dieser Darbietung vielleicht schon näher: Vermögen sich Interpreten auf der sicheren Basis überragenden technischen Könnens in jeder Sekunde vollkommen auf die Musik einzustellen und deren intellektuellen wie auch emotionalen Gehalt auf ganz natürliche, schnörkellos direkte Weise zu vermitteln, dann erlebt der Hörer ein Höchstmaß an Selbstverständlichkeit des nachschöpferischen Agierens. So und nicht anders muss es sein, genau so ist diese Musik auf all ihren Ebenen ursprünglich gemeint. Hierin, so vermutet der Rezensent, liegt die exzeptionelle Qualität dieser wärmstens empfohlenen Neueinspielung zweier der schönsten Werke der Kammermusikliteratur.

Michael Wersin



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